Die DEMOKRATIE und ihre frühen Wurzeln in der Geschichte Israels ...
Demokratie. Ein großes Wort. Die alten Griechen seien die Erfinder dieser Staatsform, heißt es. In den Jahren 508 (Kleisthenes) bis 332 v. Chr. (Tod Alexanders des Großen) entwickelte sich dort tatsächlich die "Volksherrschaft". Doch – wer hätte das gedacht – bereits im alten Israel (die Zeitspanne etwa vor dem Jahr 1020 v. Chr.) gab es starke demokratische Ansätze in Jerusalem und im Land am Jordan.
Darüber schreibt Joachim Kühne *), ein Oberstudienrat i.R. aus dem norddeutschen Erfde (Schleswig-Holstein) zum Nationalfeiertag Israels und zum "Tag des Gesetzes" am 3. Oktober 2026 in einem Gastbeitrag für diesen Blog. Anmerkung: Der jüdische "Nationalfeiertag" fiel im Jahr 2023 auf den 7. Oktober ...
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*) Von Joachim Kühne
"Nachdem Gott sein Volk aus Ägypten geführt hatte, gab sich Israel nach und nach 613 Gesetze und feiert bis heute den "Tag der Gesetze", Simchat Tora. Es ist ein fröhliches Fest, weil dieses Volk nicht mehr der Willkür der damaligen Ägypter ausgeliefert war. Das eigene Gesetz war der Beleg der Freiheit und es begann die Zeit der Richter. Das Volk hatte keinen König oder Ähnliches, und bis heute hat das oberste Gericht in Israel das letzte Wort. Gerade hat es das kurz vor der Auflösung der Knesset verabschiedete Gesetz zur Befreiung der Bibelschüler vom Wehrdienst als nicht dem Gleichheitsgrundsatz entsprechend zurückgewiesen. Was hat das mit uns zu tun?
Ich erzähle Ihnen eine Geschichte:
Die Bäume gingen hin, um einen König über sich zu salben und sprachen zum Ölbaum: Sei unser König! Aber der Ölbaum antwortete ihnen: Soll ich meine Fettigkeit lassen, die Götter und Menschen an mir preisen, um über den Bäumen zu schweben?
Da fragten die Bäume den Feigenbaum, aber der Feigenbaum sprach: Soll ich meine Süßigkeit und meine gute Frucht lassen , um …
Da fragten die Bäume den Weinstock, aber der Weinstock sprach: Soll ich meinen Wein lassen, der die Menschen fröhlich macht , um…
Da sprachen alle Bäume zum Dornbusch: Komm Du und sei unser König! Der Dornbusch sprach zu den Bäumen: Ist es wahr, dass ihr mich zum König über euch salben wollt, so kommt und bergt euch in meinem Schatten; wenn nicht, so gehe Feuer vom Dornbusch aus und verzehre die Zedern des Libanon.
Das Volk will also einen König haben, einen, der über es herrscht. Aber alle, die für das Volk etwas Positives darstellten, weigern sich, ihre positiven Eigenschaften aufzugeben, um über das Volk zu herrschen. Es gibt eine Bibelstelle (Nehemia 8), da heißt es nach der Lesung der Gesetze, als das Volk sich seiner Fehler bewusst wurde: Nun geht hin, esst fette Speisen und trinkt süße Getränke. Wie wäre das ohne Ölbaum, Feigenbaum und Weinstock aber möglich?
Das also sind die Kriterien der Bibel an solche, die herrschen wollen: Sind ihre Eigenschaften nützlich für die Menschen? Und dann kommt der Dornbusch und der Schreiber dieses Teils des "Buches der Richter" und greift in den Senftopf der Satire, denn so ein Busch wirft keinen Schatten, ja, er verträgt auch keinen Schatten. Zudem wird er nur zirka 1,20 m groß; man muss sich also klein machen, um sich unter ihm zu bergen, und er stellt Ansprüche: Kommt man seinen Wünschen nicht nach, droht er mit Feuer. Dazu muss man wissen, dass der gemeinte Busch wegen seiner Öle zur Selbstentzündung neigt und er droht mit der Vernichtung der berühmten Zedern des Libanon.
Für unsere Demokratie heißt das: Lassen wir jeden das tun, wozu er befähigt ist und womit er sich auskennt, oder dulden wir Leute über uns, die keine Fachleute sind und auch noch Ansprüche stellen?
Immer wenn Letzteres passiert, werden die berühmten Zedern des Libanon, unter denen sich viele bergen können, verbrannt; der Mensch hinterlässt hinter sich verbrannte Erde wie 1945 oder oder oder … Ist nun eine Rückkehr in die königsfreie Zeit der Richter möglich, eine Zeit des willkürfreien Gesetzes?
Ich denke, das sollte die Grundlage unserer Demokratie sein und diese Grundlage sollte gründlich entstaubt werden! Sie sollte sich wieder an der Bibel orientieren, denn wir leben ja im christlich-jüdischen Abendland. Da kann das alles, abgesehen vom Grundgesetz, auf vier Aufträge zusammenschrumpfen:
- Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast,
- lass frei, auf die du das Joch gelegt hast,
- gib frei, die du bedrückst,
- reiß jedes Joch, heute würden wir sagen: Vorschrift, weg !
Der moderne Mensch spricht da vom Bürokratieabbau. Dies wäre der erste Streich und der zweite folgt sogleich: Brich dem Hungrigen dein Brot; das besitzanzeigende Fürwort gilt es zu beachten. Dieses „Dein“ richtet sich ganz demokratisch an alle Besitzenden. Da gibt der Ölbaum sein Öl, der Feigenbaum seine Süße und der Weinstock seine Fröhlichkeit; deshalb ist Kultur eine Grundlage der Demokratie.
Damit sind wir beim ersten Beispiel, wie Juden sich in unsere Demokratie einbringen: Ida Ehre gründete 1945 die Kammerspiele in Hamburg. Sie hatte 12 Jahre Berufsverbot! Wer kam, erzählte meine Mutter, musste ein Brikett mitbringen, damit geheizt werden konnte. Es gibt den Hunger nach Kultur, den Hunger nach Gemeinschaft, den Hunger, den nur der beschreiben kann, der ihn kennt.
Dies war der zweite Streich, doch der dritte folgt sogleich : Die ohne Obdach sind, führe ins Haus! Das ist an keinen Reibach/Gewinn gebunden. Da gab es einen Pater in Frankreich, der Leerstand für Obdachlose requirierte. Was für ein klarer Auftrag. Mit anderen Dingen hat dieser Abbe Pierre leider seinen Ruf zerstört.
Dies war der dritte Streich, doch der vierte folgt sogleich. Wenn Du einen nackt siehst, so kleide ihn. Jetzt kann man immer gute Gründe finden, warum ich keinen dieser vier Punkte umsetzen kann, aber dann darf ich zum zweiten Streich zurückkehren, zu diesem besitzanzeigenden Fürwort „Dein“: jedem von uns eignet etwas und ich komme zum zweiten Beispiel: In meiner Schule war Hassan, ein Kurde, der unglaublich Fußball spielte. Unsere Schulmannschaft war jahrelang unschlagbar, denn er brachte, was er konnte, anderen bei. Das war sein Brot, das er anderen brach. Ich denke, jeder von uns hat etwas, das den spezifischen Hunger anderer stillen kann, und wenn wir das tun, dann passiert etwas in uns: Dann wird das Licht der Liebe aus dir scheinen und deine Heilung schreitet rasch voran.
Dann zählt der Herr dich zu den Seinen, weil er in dir sich selbst erkennen kann.
Zugegeben, die letzten vier Zeilen finden Sie so nicht in der Bibel; sie sind von mir, aber ich denke, wenn wir anfangen, Richter 9 und Jesaja 58 in unsere Zeit zu transferieren, dann passiert zweierlei: Das erste Kriterium für den zu Wählenden wäre die Frage: Ist er nützlich für andere oder ist er ein Dornbusch der eigenen Eitelkeit und Gier?
Gibt es unter den Lesern Basketballfans? Sagt Ihnen der Name Ralph Klein etwas? Das war ein Basketballtrainer, der Auschwitz überlebt hatte, und dann hat er in den neunziger Jahren die deutsche Nationalmannschaft trainiert. Damals gab es die erste Blüte des deutschen Basketballs; sie wurden 1987 Europameister.
„Draußen vor der Tür“ wurde in Ida Ehres Kammerspielen uraufgeführt; Ignatz Bubis, der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, war 1993 ein möglicher Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten. Igor Levit macht Musik mit Danger Dan, aber sonst werde ich niemanden nennen, denn jeder muss selbst wissen in diesen unseren Zeiten, wie weit er sich aus dem Fenster lehnt und in Gefahr begibt, aber wenn man uns lässt, dann versuchen wir unserem Auftrag der Mitzwa gerecht zu werden, d.h. anderen wohl zu tun. Das fängt bei Stresemann an und hört bei Orenstein und Koppel auf, die Lokomotiven bauten."
Joachim Kühne (c)

