Oberschwabenhalle: "Sag' mir, wo die Räte sind, wo sind sie geblieben?" - Oder: Es kann nur einen geben ..?

Man* – so sinngemäß die öffentliche Äußerung von Stadtrat Rolf Engler – könne die „Oberschwabenhalle“ keinesfalls mit dem „Mehlsack“ vergleichen. Dieser Hinweis ist zutreffend: Der Mehlsack, dessen Bau vor rund 600 Jahren begann, steht historisch im Zusammenhang mit militärischen Auseinandersetzungen. Die Oberschwabenhalle hingegen, 1959 eingeweiht, gilt seit Jahrzehnten als Ort vielfältiger kultureller Veranstaltungen der Nachkriegszeit – und besitzt damit eine Bedeutung, die weit über Ravensburg hinausreicht.
Nach bisheriger Tradition wird das Kriegssymbol „Mehlsack“ auch künftig jeden Sommer mit Kanonenschüssen in Szene gesetzt. Das kulturdiverse Friedenssymbol Oberschwabenhalle hingegen soll ab 2029 (mit Vorlauf 2028) zu einer Einrichtung mit deutlich eingeschränkter, einseitiger Nutzung umgestaltet werden.
In beiden Angelegenheiten spielt(e) der genannte Stadtrat eine maßgebliche Rolle. Er setzte sich dafür ein, dass die Ravensburger Fahne dauerhaft – also täglich – auf dem Mehlsack gehisst wird, und erreichte dies umgehend. Ebenso dankte er dem Oberbürgermeister öffentlich und mit Nachdruck, als dieser bereits vor einer Bürgerversammlung die Umwandlung der Oberschwabenhalle in eine Sporthalle ankündigte.
Dass es hierzu Widerspruch geben würde – Widerspruch, der die Richtung des politischen „Windes“ verändern könnte –, war offenbar nicht vorgesehen. Diese kritischen Stimmen werden jedoch vielfach abgeschwächt, gefiltert oder in private Räume verlagert: in Hinterzimmer, an Küchentische oder in die vertrauten Runden des „Stammes“. In die breite Öffentlichkeit dringen sie nur begrenzt.
Zwar veröffentlicht die "Schwäbische Zeitung" einzelne Gegenpositionen – etwa Leserbriefe oder Beiträge von Veranstaltungsexperten. Was jedoch viele Bürgerinnen und Bürger denken, bleibt weitgehend ungehört. Dass überhaupt unterschiedliche Sichtweisen abgebildet werden, verdient dennoch Anerkennung.
Damit komme ich zum Kern dieses Beitrags: Wie positionieren sich die im Ravensburger Gemeinderat vertretenen Parteien und die Wählervereinigung? Habe ich da was übersehen, oder schweigen sie tatsächlich? Ist die CDU aufgrund der öffentlichen Unterstützung einzelner Akteure für den Oberbürgermeister in einer Art Schockstarre? Wie verhalten sich die bürgernahen Sozialen? Welche Haltung nehmen die verschiedenen Strömungen der Grünen ein? Wo bleibt die sonst so meinungsstarke FDP? Und welche Rolle spielen die Freien Wähler, die sich traditionell der Kultur verpflichtet fühlen?
„Sag mir, wo die Räte sind – wo sind sie geblieben.“
Sind bereits alle auf ein „Ja“ eingeschworen? Oder wartet man* ab, wie die Stimmung bei der anstehenden Bürgerversammlung am kommenden Dienstag ausfällt – um sich erst danach zu äußern, je nachdem, wohin die Ravensburger Fahne weht.
Der Gemeinderat wurde jedoch nicht nur gewählt, um Bürgerinteressen zu vertreten, sondern auch, um die Arbeit der Verwaltung kritisch zu begleiten – insbesondere dann, wenn Entscheidungen den Eindruck erwecken, vor allem Einzelinteressen zu dienen. Das wäre gelebte Demo(s)krat(os)ie.