Landkreis Ravensburg: "Wenn ich aus meinem Dachfenster auf diese "Ruine" schaue, werde ich unweigerlich jedes Mal an die Bilder von "9-11" in New York erinnert."

Wer in diesen Tagen zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Bus oder dem Auto aus Richtung Norden über die "Gartenstraße" (B 30) in die freie und große Kreisstadt Ravensburg hineinkommt – einen "Steinwurf vom CHG-Gebäude entfernt", wird neuerdings von einem recht grausigen "Stadtbild" begrüßt. Das vom SM-Fotografen am 25. September 2026 aufgenommene Bild habe ich für die Gestaltung eines fiktiven Plakats verwendet, wie es in meinen Vorstellungen am Stadteingang von Ravensburg in diesen Tagen stehen könnte.

Das ist Satire. Allerdings eine solche, die mit Realitäten gepaart ist.
Real, also in der Wirklichkeit, steht dort eine Plakatwand, auf der die Stadtverwaltung Ravensburg freundlich zu den "43. Wochen der Internationalen Nachbarschaft" (WIN) einlädt, die in Bälde beginnen.
Dem genauen Betrachter des oben abgebildeten fiktiven Plakats wird nicht entgangen sein, dass es im Hintergrund einen Hinweis darauf gibt, zu welchem einst stadtprägenden Gebäude (Stadtbild) diese "Ruine" gehört. Richtig: Es ist (oder besser: war) der Mittelbau des einstigen Telekomgebäudes und jetzigen "Kreishaus II" (Landratsamt Ravensburg) in der Gartenstraße 107. Verantwortlich für dieses Gerippe sind in diesem Fall jedoch nicht die Ravensburger Stadtverwaltung und ihr Bauamt oder eine auf Abriss spezialisierte Firma, sondern der Ravensburger Landrat und die Politiker/innen des Ravensburger Kreistages.
Denn genau diese hatten einst beschlossen, das auf Ravensburger Stadtgebiet stehende Gebäude nicht zu sanieren, sondern abzureißen, um dort in der Mitte des Hufeisens (das Gebäude hat zwei Seitenflügel) einen glanzvollen Neubau hinzustellen. Seit Beginn der diesjährigen Hitzewelle wird unter Dauerlärm die "Abrissbirne" geschwungen, und "keiner" weiß so genau, ob da noch Asbestreste zum Vorschein gekommen sind.

Foto: Schussental-Medial (SM) am 25.09.2026 (c)
Laut hiesiger Presse hatte das Landratsamt Ravensburg das intakte Gebäude im Jahre 2012 für 16 Millionen Euro von der Telekom gekauft und musste dafür neue Kredite aufnehmen. Mit großer Mehrheit stimmte der damalige Kreistag mit einer Gegenstimme und der Enthaltung der FDP diesem Deal zu. Wer eine solche Summe für ein Gebäude ausgibt bzw. wer den Ausgaben zustimmt, muss von seiner Qualität überzeugt sein. Doch nur zehn (10) Jahre später (2022, siehe oben) ist von dem Abriss des Mittelbaues die Rede – und er wird nun (2026) vollzogen. Ob das Abbruchmaterial recycelt und für den Neubau verwendet wird, oder ob auf die permanent schwindenden Kiesreserven in Oberschwaben (Altdorfer Wald) zurückgegriffen wird, weiß so recht "keiner".
Meines Erachtens war die Gebäudesubstanz des Mittelbaus weder marode noch so marode, dass sich eine Sanierung nicht gelohnt hätte. Und ich persönlich bin mir ganz sicher, dass ein solches vorher baufestes, intaktes Gebäude in Kiew, im Donbas oder in Gaza-Stadt sehr willkommen wäre und dort noch 30 bis 40 Jahre seinen guten Dienst tun würde.

Und wenn ich aus meinem Dachfenster auf diese "Ruine" schaue (Luftlinie: 140 Meter), werde ich unweigerlich jedes Mal an die Bilder von "9-11" in New York erinnert. Die tägliche Konfrontation mit diesem "Bild des Grauens" (so empfinde ich es) lässt mich innerlich nicht nur weinen, sondern auch erzürnen. Denn immerhin bin ich dort beruflich viele Jahre ein- und ausgegangen.

Foto: Schussental-Medial (SM) am 25.09.2026 (c)
Im Jahr 2022 konnte in der Lokalzeitung gelesen werden, dass die Abbruchkosten 1,2 Millionen Euro betragen würden. Doch seitdem sind vier Jahre Lohnkostensteigerungen, extreme Steigerung der Energiekosten (drei Monate Pressluftbohrer, Spezialkran, Bagger, Untergrundbohrer etc. und Inflation in den Kreis Ravensburg gezogen, und eventuell "Unvorhergesehenes" hat sich ereignet. Ich schätze daher die entsprechenden Kosten auf zirka 2,5 bis 3 Millionen Euro, wenn nicht mehr.

