„Die Ravensburger Puppenkiste – Die Fäden zur Wahl“ - Wer zieht an welchem Faden – und wer wird von ihm gehalten?
Stefan Weinert, Blogger und Drehbuchautor
Drehbuch: „Die Ravensburger Puppenkiste – Die Fäden zur Wahl“ - Laufzeit: 30 Minuten

Erzähler aus dem Off: „In Ravensburg, wo die Erwartungen höher sind als alle Türme und der Mehlsack zusammen, steht eine große Entscheidung bevor. Die Oberbürgermeisterwahl rückt näher – und mit ihr die Frage: Wer hält die Fäden, und wer wird wie von ihnen gehalten?“
Auftritt OB Dr. Daniel Rapp: Er hält eine telefonbuchdicke Wahlbroschüre hoch, die sich ständig in seinen Fäden verheddert.
Rapp: „Liebe Bürgerinnen und Bürger, ich freue mich auf einen fairen Wahlkampf! Doch sitze ich so fest in meinem Sattel, dass auch Fairness nichts daran ändern wird!“
In diesem Moment rennt der Stadthund "Schneidi" ins Bild, springt hoch, schnappt sich die Broschüre und rennt davon.
Erzähler aus dem Off: „Manche Wahlversprechen und -Programme verschwinden schneller als gedacht.“
2. Szene – Das Bauamt im Wahlmodus
Bau- und Umweltbürgermeister Dirk Bastin steht vor einer Miniaturausgabe des "Kornhauses", das an kreuz und quer verstrickten Schnüren hängt.
Bastin: „Wir sanieren und bauen, als gäbe es kein 'Morgen'! Also… jedenfalls sobald wir wissen, wohin die Fäden führen.“
Ein Faden zieht ihn plötzlich Richtung Decke.
Bastin: „Nicht so fest! Ich bin doch kein Eimer am Kran!“
3. Szene – Der Stadtrat sortiert sichAlle Ratsmitglieder sitzen nun an einem riesigen ovalen Tisch - über ihnen ein chaotisches Fadengewirr.
Stadtrat Rolf Engler: „Ich beantrage, dass wir vor der Wahl keine Anträge mehr stellen, wir haben ja jetzt schon genug Beratungsbedarf!“Stadtrat August Schuler: „Ich beantrage, dass wir diesen Antrag prüfen!“
Stadträtin Maria Weithmann: „Ich beantrage, dass wir erst mal die Fäden entwirren, damit die schöne neue Brücke zu meinem Wohngebiet sichtbar wird!"
Stadträtin Heike Engelhard und ehemalige MdB: „Ich beantrage, dass wir jemanden holen, der sich mit Fäden auskennt. Aber bitte nicht die Öko-Aktivisten mit ihrem RAF-Sprech!!“
Daniel Rapp: Welche Fäden denn. Es gibt hier doch gar keine Fäden! Wir sind doch keine Marionetten!" (Tut entrüstet)
Hund Schneidi stürmt in den Ratssaal und bellt heftig (Aus dem Hundischen übersetzt: "Aber es gibt Stricke, Fallstricke!")
4. Szene – Der Blogger tritt aufEin Ravensburger Blogger - klein, Brille und Bart - kommt mit Notizbuch und Kamera in den Saal und setzt sich auf einen Zuschauerplatz.
Rolf Engler dreht sich zu ihm um: "Was wollen Sie denn hier?"
Blogger: „Ich dokumentiere nur, was ich sehe. Und ich sehe… viele Fäden, Stricke, ja Fallstricke, die man/frau auch Skandale nennen darf und die sich vor der Wahl besonders gern bewegen.“
Erzähler aus dem Off: Manche Fäden sind dünn, manche dick – und manche sind so durchsichtig, dass man sie nur mit scharfem Auge erkennt.
5. Szene – Das Café als WahlstudioStadtrat und Cafetier Andy Reck serviert Miniatur‑Cappuccinos.
Stadtrat Reck: „Hier im Café hört man alles. Aber großes Wahlkampfgetöse kann wie Milchschaum sein: Erst schön, dann fällt er zusammen, wenn man nicht aufpasst."
In diesem Moment kommt eine Gruppe von Klimaaktivisten in das Café und bestellt veganen Kuchen und Naturapfelsaft.
6. Szene – Der neue Charakter erscheintAuftritt des Chefredakteurs der "Schwäbischen Zeitung". Er trägt eine Pressemappe mit blau-weißem Cover und eine Marionettenbrille.
Chefredakteur (freundlich, jovial): „Ich berichte nur, was wichtig ist! Und manchmal ist eben wichtig, was ich wichtig finde.“
Ein fast unsichtbarer Faden verbindet ihn mit denen des OB – nicht straff, eher wie ein Gummiband.
Rapp (überrascht): „Und was machst du denn hier?“
Chefredakteur: „Ich begleite nur. Rein journalistisch. Rein objektiv. Rein zufällig immer in deiner Nähe.“
Erzähler aus dem Off: Manche Fäden sind nicht straff gespannt – sie federn nur ein wenig mit.
7. Szene – Die große WahlshowDie Bühne verwandelt sich in ein kleines TV‑Studio. Ein Wahl‑Moderator mit einer Blutwurst in der Hand tritt auf.
Moderator: „Willkommen, willkommen, willkommen zur großen Ravensburger Wahlshow! Und möge das Glück mit Ihnen sein. Heute klären wir, wer an welchem Faden zieht und warum.“
Die Kandidaten stehen nebeneinander. Über ihnen: ein riesiger, bunter Fadenbaum.
Moderator: „Jeder darf einen Faden ziehen. Was dann passiert, das wird eben passieren. Da kann man nichts gegen machen.“
Daniel Rapp zieht an einem seiner Fäden – ein kleiner Schauer blau-weißen Konfetti - gestanzt aus Resten der Zeitung - regnet auf ihn herab.Dirk Bastin zieht ebenfalls an einem Faden. Ein Bauplan fällt von der Decke herunter.
Rolf Engler zieht, und plötzlich hält der eine Spraydose für Graffiti in der Hand.
August Schuler zieht und Werbung für die "Ratstube" erklingt.
Maria Weithmann zieht und vor dem Rathaus fällt ein Baum um.
Heike Engelhard zieht – und es geschieht gar nichts.
Andy Reck zieht und im Nu sind alle Protagonist/innen kinky gekleidet.
Der Blogger springt unerlaubt hervor und zieht wahllos an irgendwelchen Fäden – was dann passiert, lesen Sie morgen nicht in der Zeitung.
Vorhang.