Wirbel in RAVE~ONIUM --> Drei "Gallier" gegen den Imperator / Demokratie-Trunk für die mutige Helden ...
Im Südwesten unserer Republik liegt eine Stadt, die sich selbst für besonders geordnet hält. Doch Ordnung ist ein fragiles Gut, wenn Trommeln lauter schlagen als Argumente. Rave~onium, so heißt diese Stadt, ist ein Ort voller Geschichte, voller Stolz. Doch in letzter Zeit ist etwas aus dem Gleichgewicht geraten. Zu viele Reden, zu wenig Inhalt. Zu viele Pergamente, zu wenig Wahrheit. Zu viele Allianzen, zu wenig Transparenz. Und so beginnt unsere Geschichte an einem Morgen, der sich erst unscheinbar gibt – und dann alles verändert.
Ein Blogger, Blogus mit Namen, sitzt am Rand des Marktplatzes, beobachtet, notiert, kommentiert. Er versucht Chronist, Zeuge und gelegentlich auch Regisseur zu sein - der Ereignisse, die Rave~onium erschüttern werden.
Die Sonne über den Türmen Rave~oniums und des Schussentals ist längst aufgegangen. Die Händler öffnen ihre Stände, die Bürger eilen zur Arbeit, und die Gazette, das große Sprachrohr des Imperators Dani, verteilt ihre Pergamente mit der gewohnten Mischung aus Wichtigem, Unwichtigem und Unverständlichem.
Doch heute liegt ein Knistern in der Luft. Ein Raunen, das sich wie ein Funke ausbreitet.
„Hast du gehört? Dani hält heute wieder eine große Rede. Mit der Gazette zusammen!“ - „Schon wieder?“ - „Ja, und diesmal soll es richtig krachen.“
Blogus notiert das Raunen, das Wispern, die Nervosität. Er weiß: Wenn Dani eine Rede hält, ist das die eine Sache. Wenn die Gazette mitmarschiert, wird sie zur Schlachtordnung.
Am Waldrand, dort, wo die Stadt in die Hügel übergeht, sitzt Sam, der Beschützer des Klimas, in seiner Hütte, ganz oben in den Bäumen. Er schärft sein Schwert – keines aus Stahl, sondern ein Schwert aus Argumenten. Es glänzt nicht, aber es wird treffen.
Neben ihm liegen Pergamente voller Notizen: Transparenz, Fairness, Zukunft, Demokratie, gegen 'Rechts', für Vielfalt und für Zivilcourage“. Sam murmelt: „Das reicht noch nicht. Ich brauche mehr noch mehr!"
Da ertönt ein schweres, rhythmisches Stampfen. Der Boden vibriert leicht - der Boden des Silva Altendorf.
„Morgen, Sam“, brummt eine tiefe Stimme. Kannst du kurz herunterkommen. Wir müssen reden."
Es ist Umut, ein cooler aber auch menschenfreundlicher Riese. Er trägt – wie andere Leute einen Rucksack – ein ausgewachsenes Rind über der Schulter. Frisch erlegt.
Sam lässt sich die Strickleiter hinunterholpern.
„Umut… das ist ja ein ganzes Rind wie es im Buche steht.“ „Ja“, sagt Umut. „Wir werden es später, gemeinsam mit Roman und den Bürgern, genüsslich verspeisen.
„Hast du gehört? Dani plant wieder eine große Rede,“ sagt Umut und setzt das erlegte Tier vorsichtig ab. „Schon wieder?“, fragt Sam etwas ungläubig. Ich dachte, der hat gestern erst eine gehalten.“ „Hat er auch. Aber es folgen noch acht weitere. Aber diesmal will er die Gazette mitnehmen. Die marschieren dann gemeinsam durch die Stadt.“ „Ah“, sagt Sam. „Also ... Krieg?“ - "ja, aber nicht mit uns, gell!"
Währenddessen - im Herzen des Waldes - zwischen alten Bäumen und geheimnisvollen Kräutern steht das Haus von Roman dem Trankmeister, ein Domizil gebaut aus soliden Steinen. Er ist nicht nur ein Tüftler, sondern ein hervorragender Denker, ein Mann, der mehr über Demokratie, Technik und die Seele des Menschen versteht, als die meisten im Schussental über ihre eigenen Schwiegermütter.
In seinem Kessel brodelt ein Trank, der in Rave~onium nur flüsternd erwähnt wird: der Demokratie- und Vernunfttrank. Neben dem Kessel in sicherer Entfernung die Schriftrollen von Euklid, Pythagoras, Aristoteles, Cicero und Lucretius, die er alle studiert hatte.
Dieser verleiht Mut. Er verleiht Klarheit. Er verleiht die Fähigkeit, rhetorische Nebelkerzen zu durchschauen wie durch von Schmutz befreites Glas.
Roman rührt, prüft, riecht, nickt. „Fast fertig“, murmelt er. „Noch ein Hauch Wahrheit, ein Spritzer Gelassenheit und ein Tropfen Entlarvung. Ja. Das wird wirken", murmelt er.
Der Blogger, der zwischendurch mit dem öffentlichen Personenverkehr per Ochsenkarren in den Wald gekommen war, tritt aus dem Schatten.
„Roman, die Stadt braucht diesen Trank. Die Trommeln werden lauter." Roman nickt. „Sam ist bereit.“ „Umut auch“, sagt Blogus. „Und sie haben ein erlegtes Rind zum späteren Grillen,“ fügt er hinzu
Roman lächelt. „Dann kann es ja losgehen.“
In der Redaktion der heimischen Gazette herrscht hektische Betriebsamkeit. Pergamente werden beschrieben, überschrieben, umgeschrieben, zerknüllt und wieder geglättet. Schlagzeilen werden getestet wie Kriegshörner.
„Wir müssen Dani unterstützen!“, ruft der Chefredakteur. „Aber unauffällig!“ - „Natürlich unauffällig!“ - „So unauffällig, dass es jeder merkt!“ - „Genau!“
Die Legionen der Gazette – Schreiber, Zeichner, Kommentatoren – marschieren in Formation. Sie üben Schlagzeilen wie andere Leute Schwertgriffe.
Doch ohne eine Art von Zaubertrank fehlt ihnen etwas Entscheidendes: Klarheit. Und echten Humor, der diesen Namen auch verdient. Und manchmal auch Logik.
Der Blogger - inzwischen mit dem Eilkarren (acht statt vier Ochsen) - beobachtet das Treiben aus sicherer Entfernung. Er erkennt Muster, Absichten, Strategien – und notiert alles.
Der Marktplatz füllt sich. Die Bürger strömen zusammen. Dani steht auf einer Tribüne, flankiert von der Gazette.
Die Trommeln beginnen. Die Pergamente flattern. Die Rede hebt an. Das Übliche und das üblich Bekannte, welches hier deswegen keiner besonderen Erwähnung bedarf.
Doch Sam trinkt einen Schluck des Romanischen Tranks. Seine Augen leuchten. Seine Stimme wird klar wie die Schussen kurz nach dem Neolithikum.
Er antwortet. Er widerspricht. Er erklärt. Er donnert. Er kommt auf das Wesentliche, das Unabdingbare und das die Blutwurscht Entlarvende zu sprechen. Vor allem das junge Volk, aber auch die vergessenen Alten, und jene, die um die zerstörten Wälder zwischen dem Lacus Raetiae Brigantinus (Bodensee) und der Istrum (Donau) klagten und jene, die sich nach Vielfalt und echter Demokratie sehnen.
Umut steht hinter ihm, das inzwischen gegrillte Rind vor sich wie ein Schild. Die Bürger nicken und staunen und sind hungrig nach einer wirklichen gut verdaubaren M(W)ahlzeit - während ihnen das Wasser im Munde zusammenläuft. Seine anschließende Rede über gesundes Essen, wozu auch in Maßen Rindfleisch gehört, und mehr Sport an den Schulen und über den grundsätzlichen Schutz von Tieren, welche die besseren Menschen sind, weil sie keine Habgier und Intrigen kennen, und für Bürgerfreundlichkeit, statt gewisser Hindernisläufe bis zum Tor der drei Amtshäuser, findet ebenfalls großen Anklang.
Die Gazette versucht am Folgetag die Stimmung zu drehen – doch ohne Trank wirkt alles hölzern, durchschaubar, bemüht.
Und Dani selbst - er merkt, dass Macht ohne Vertrauen nichts ist. Und dass die Gazette zwar laut trommeln kann, doch diese Art von Trommeln in der "Höll" von Rave~onium verklingen.
Die Bürger entscheiden sich. Nicht für die Trommeln. Nicht für die Pergamente. Nicht für die Angst.
Sondern für Mut. Für Klarheit. Für echte Zukunft für ALLE - gegen alle Partikularinteressen.
Sam und Umut werden gefeiert. Roman wird geehrt. Die Gazette lernt, dass Berichterstattung keine Schlachtordnung ist.
Und Rave~onium atmet auf - jedenfalls der Teil, der nicht von Danis Politik meinte profitieren zu können.
Der Blogger schließt sein Notizbuch. Er lächelt nicht – aber seine Augen tun es.
„Manchmal gewinnt nicht der Lauteste. Sondern der Klügste. Oder der Mutigste. Oder der, der ein ganzes Paket schultern kann, von dem ALLE satt werden“, schreibt er auf das denkwürdige Pergament.