+++SONDERMELDUNG zur OB-Wahl+++ "Die Narrenrechte enden dort, wo die Bürgerrechte beginnen." - Dilettantismus und gebrochenes Versprechen verhindern Briefwahl ...
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ – ein Satz für Leute, die Verantwortung mit Restmüll verwechseln. Während die Fasnetsmasken aber morgen wieder im Keller liegen, stolpert Ravensburg weiter durch einen Wahlkampf, der nach dem Empfinden Vieler - zu denen auch ich mich zähle - so schmutzig ist, dass selbst ein Narr erröten müsste. Und wenn Briefwahlunterlagen in einem der Ravensburger Teilorte auch heute (17.2.) immer noch nicht zur Verfügung stehen (obwohl zum 11.2. versprochen), dann ist das kein Versehen, sondern ein demokratischer Offenbarungseid und könnte als Wahlbehinderung gedeutet werden. Wer da noch „Alles vorbei“ ruft, hat nichts begriffen.
Am Aschermittwoch ist angeblich alles vorbei – aber Demokratie ist kein Karneval. Es gibt Sätze, die sich so tief in das kulturelle Gedächtnis Deutschlands eingebrannt haben, dass sie wie Naturgesetze wirken. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ gehört dazu. Ein Satz, der nach Bier, Schnaps, Fremdgehen assoziiert, von Pauken, Fanfaren und stickigen Kneipen (in einer von ihnen wurde am Rosenmatag "Ausländer raus" skandiert) geprägt und von Pappnasen, nach dem letzten Funken Leichtsinn, bevor der Alltag wieder die Oberhand gewinnt, dominiert wird.
Ein Satz, der suggeriert: Was zuvor war, zählt nicht. Was man/frau getan hat, bleibt folgenlos. Die Narrenfreiheit endet, und mit ihr die Verantwortung.
Doch dieser Satz ist eine Lüge. Eine schöne, eingängige, musikalisch verpackte Lüge – aber eine Lüge. Auch für Ravensburg, welches den Karneval - hier Fasnet genannt - besonders ausgelassen zu feiern weiß.
Denn im echten Leben, im politischen Leben, im demokratischen Leben gilt das Gegenteil: Am Aschermittwoch ist nichts vorbei. Da beginnt erst die Phase, in der sich zeigt, was die Tage davor angerichtet haben.
Und genau hier liegt das Problem. Nicht nur im Rheinland, nicht nur im Liedgut, sondern mitten in Oberschwaben - in und um Ravensburg herum.
1. Da ist die bequeme Illusion der Sorglosigkeit - Der Karneval lebt vom Prinzip der Entlastung. Für ein paar Tage darf man/frau tun, was man sonst nicht tut. Erlaubt von der Kirche und von der Politik. Man/frau darf ganz offiziell über die Stränge schlagen, darf sich gehen lassen, darf die Konsequenzen ausblenden. „Heut ist heut“, heißt es im Lied. „Sag niemals nein, wenn das Glück dir winkt.“ Und: „Fülle mit Leichtsinn dir den Pokal“.Leichtsinn als Tugend. Verantwortungslosigkeit als Lebensgefühl. Einmal im Jahr darf man das. Und das ist auch gut so.
Doch die Ravensburger Gesellschaft – und hier wird es heikel – hat diese Haltung längst verinnerlicht, weit über die närrischen Tage hinaus. Sie hat sich an eine Art permanenten Karnevalszustand gewöhnt, zumindest dort, wo es unbequem wäre, mit klaren Augen genauer hinzusehen und den Mund für eindeutige Worte, statt grölender oder lallender Gesänge, aufzureißen. Wo es anstrengend wäre, Verantwortung einzufordern. Wo es Mut bräuchte, Missstände zu benennen.
2. Da ist die Ravensburger Sorglosigkeit als ihr strukturelles Problem. - Ravensburg ist stolz auf seine Traditionen, auf seine Vereine, auf seine Feste, auf seine Bürgerlichkeit. Doch diese Bürgerlichkeit hat eine Schattenseite: Sie erzeugt eine Atmosphäre, in der man sich ungern die Finger schmutzig macht. In dem man/frau/narr Konflikte lieber vermeidet. In dem man ... Missstände eher hinnimmt als anspricht. Denn ansonsten wird eine Hand nicht mehr die andere waschen und die Blutwurscht wird nicht mehr geteilt.
Man/frau könnte sagen: Ravensburg ist eine Stadt, die Fasnet feiert, ohne es zu merken. Vom Neujahrstag bis Silvester.
Nicht mit Kostümen und Umzügen, sondern mit einer Haltung, die da lautet: „Wird schon alles passen.“ „Wird schon alles seine Ordnung haben.“ „Wird schon keiner absichtlich etwas falsch machen.“ „Wird schon nicht so schlimm sein.“
Diese Haltung ist bequem. Sie ist leider auch menschlich. Aber sie ist gefährlich.
Denn Demokratie lebt nicht von Bequemlichkeit. Sie lebt von Wachsamkeit. Von kritischen Fragen. Von Transparenz. Von der Bereitschaft, auch dann hinzusehen, wenn es unangenehm wird.
Und genau hier beginnt das Problem, das sich in Ravensburg gerade zeigt wie ein Brennglas.
3) Ein Wahlkampf ist kein Fest im Sinne von „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ – einem Satz für Leute, die Verantwortung mit Restmüll verwechseln. Denn während morgen am Aschermittwoch die Fasnetsmasken längst im Keller liegen, stolpert Ravensburg weiter durch einen Wahlkampf, der so schmutzig ist, dass selbst ein Narr erröten müsste. Und wenn Briefwahlunterlagen in manchen Ortsteilen später auftauchen als versprochen und später als der letzte Narrenwagen, dann ist das kein Versehen, sondern ein demokratischer Offenbarungseid. Wer da noch „Alles vorbei“ ruft, hat nicht begriffen, dass in dieser Stadt gerade erst der Ernstfall begonnen hat. Kein Ausnahmezustand. Kein Raum für Leichtsinn. Ein Wahlkampf ist der Moment, in dem sich entscheidet, wie eine Stadt, ein Landkreis, ein Land in den nächsten Jahren geführt wird. Es ist der Moment, in dem Bürgerinnen und Bürger eine informierte Entscheidung treffen müssen – und zwar auf Grundlage fairer Bedingungen.
Doch was passiert, wenn diese Bedingungen nicht fair sind? Was passiert, wenn Medien einseitig berichten? Was passiert, wenn Verwaltung und Öffentlichkeit nicht sauber trennen, was getrennt gehört? Was passiert, wenn organisatorische Abläufe nicht funktionieren – oder zumindest so wirken, als würden sie (beabsichtigt?) nicht funktionieren?
Dann entsteht ein Klima, das einer Demokratie nicht würdig ist.
Und genau das erleben wir gerade in Ravensburg.
4. Ist die mediale Schieflage ein altes Problem, das auf diesem Blog mehrfach angesprochen und von Mitbürgern durch Rückmeldungen (Plural) angeprangert wird.Es ist kein Geheimnis, dass die lokale Medienlandschaft in Ravensburg seit Jahren mit einer gewissen Nähe zur Verwaltung und zu bestimmten politischen Akteuren "ringt".
Wenn Berichterstattung und Kommentar verschwimmen, wenn kritische Distanz fehlt, wenn einzelne Kandidierende nahezu PR-artig begleitet werden, dann entsteht ein Ungleichgewicht, das demokratische Prozesse verzerrt.
Das ist kein Skandal im strafrechtlichen Sinne. Aber es ist ein Skandal im demokratischen Sinne.
Denn Demokratie braucht Vielfalt.
Demokratie braucht kritische Stimmen.
Demokratie braucht Medien, die nicht nur berichten, sondern hinterfragen.
Das ist ein hoher Anspruch. Aber es ist ein notwendiger Anspruch.
Denn jede Unklarheit, jede Verzögerung, jede Intransparenz wird sofort politisch gelesen – selbst wenn sie organisatorisch bedingt ist.
Und damit sind wir beim Kern des aktuellen Problems in Ravensburg
6. Nämlich wenn Briefwahlunterlagen nicht wie versprochen, termingerecht ankommen – dann ist das ein demokratisches Warnsignal. So geschehen, nicht geschehen bis heute, am 17. Februar 2026 morgens.Wie alle Wahlberechtigten hatte auch ein/e Bürger/in vor einigen Wochen die ihre für die Landtagswahl und die OB-Wahl-RV erhalten. In dem Amtsblatt der Stadt Ravensburg KW 6 vom 07.02.2026 (Seite 17) wurde veröffentlicht, dass die Briefwahlunterlagen „ab 11. Februar auch in den Ortschaften beantragt und direkt mitgenommen werden" können und bei allen Briefwahlausgabestellen
Im Vertrauen auf diese amtliche Veröffentlichung wollte der/die Wahlberechtigte/r am 11.02.2026 bei der Ortsverwaltung Eschach die Briefwahlunterlagen abholen und wählen. Dort wurde ihm/ihr eröffnet, dass dies nicht möglich sei, da die Unterlagen von der Stadt Ravensburg noch nicht angeliefert worden seien. Ihm/ihr wurde empfohlen, sich in den nächsten Tagen wieder zu melden. Sowohl auf Seite 1 (blau unterlegt) und auf Seite 3 wurde offiziell erklärt, dass die OB-Briefwahl ab dem 11.2.2026 in einem extra eingerichteten Wahllokal möglich sei. Am 17.02.2026 (früh morgens) wurde ihr auf Rückfrage nunmehr mitgeteilt, dass die Briefwahlunterlagen immer noch nicht vollständig vorliegen und sie sich weiter gedulden müsse. Das nenne ich Dilettantismus aus Sorglosigkeit.
Im Vertrauen auf diese amtliche Veröffentlichung wollte der/die Bürger/in am 11.02.2026 bei der Ortsverwaltung ihres Teilortes die Briefwahlunterlagen abholen und wählen. Dort wurde ihr eröffnet, dass dies nicht möglich sei, da die Unterlagen von der Stadt Ravensburg noch nicht angeliefert worden seien. Ihm/ihr wurde empfohlen, sich in den nächsten Tagen wieder zu melden. Am 17.02.2026 (also heute am frühen Morgen) wurde ihm/ihr auf erneute Anfrage mitgeteilt, dass die Briefwahlunterlagen immer noch nicht vollständig vorliegen und er/sie sich weiter gedulden müsse. Diese Angaben sind nachprüfbar richtig. Aber es besteht seitens des Blogs Informationsschutz. Diese Angaben - wenn's vor Gericht drauf ankommt, sind allerdings eidesstattlich rechtssicher.
Auf der offiziellen Website der Stadt Ravensburg ist zur OB-Wahl Folgendes veröffentlicht (Stand heute, 17.2.2026): Ab frühestens 12. Februar 2026 werden im Briefwahlbüro im Rathaus, 2. Stock, Raum 2.09, Marienplatz 26, 88212 Ravensburg, Briefwahlunterlagen ausgegeben. Das Briefwahlbüro hat von Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von Montag bis Donnerstag von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Das Briefwahlbüro ist über einen Aufzug barrierefrei erreichbar. Daneben können Briefwahlunterlagen auch in den Einwohnermeldeämtern der drei Ortschaften Eschach, Schmalegg und Taldorf persönlich beantragt und mitgenommen werden. Bei allen Briefwahlausgabestellen kann auch sofort gewählt werden. Ab Freitag, 6. März 2026 werden Briefwahlunterlagen nur noch direkt vom Wahlamt im Rathaus, Marienplatz 26, ausgegeben. Auch diese verschiedenen Terminangabe 12.2. statt 11.2. nenne ich Dilettantismus aus Sorglosigkeit.
Dass in einem der Ravensburger Teilorte am 17. Februar – also fünf Tage nach dem zugesagten Termin – noch immer keine Briefwahlunterlagen vorliegen, ist meiner Meinung nach kein kleiner Verwaltungsfehler. Es ist ein Vorgang, der Fragen aufwirft. Fragen, die gestellt werden müssen. Fragen, die nicht mit einem Schulterzucken beantwortet werden dürfen. Und es ist dilettantisch und sorglos (wie die angeblich sichere Wiederwahl des Amtierenden).
Denn Briefwahl ist kein Service. Briefwahl ist ein Grundrecht.
Wenn Unterlagen nicht ankommen respektive zur Verfügung stehen, und dieses Versäumnis auch nicht durch die Zeitung oder anderswo bekanntgegeben wird - und daher auch nicht per Brief gewählt werden kann (was, wenn diese/r Wahlberechtigte im folgenden Bericht heute ins Ausland verreisen würde?), bedeutet das:
Menschen können ihr Wahlrecht nicht ausüben.
Menschen verlieren Vertrauen in den Ablauf.
Menschen fragen sich, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht.
Und selbst wenn kein Vorsatz im Spiel ist – der Eindruck allein ist bereits schädlich.
Demokratie ist empfindlich. Sie reagiert allergisch auf den Verdacht der Manipulation. Sie verträgt keine Unklarheiten.
7. Und Schweigen ist keine Option - auch und gerade nicht in Ravensburg.Was in solchen Situationen nötig wäre, ist glasklare Kommunikation:
Was ist passiert?
Warum ist es passiert?
Wie wird es behoben?
Wie wird sichergestellt, dass niemand benachteiligt wird?
Doch stattdessen herrscht oft eine Mischung aus Beschwichtigung und Schweigen. Eine Haltung, die sagt: „Wird schon nicht so schlimm sein.“
Aber es ist schlimm. Nicht, weil jemand bewusst etwas falsch gemacht hätte. Sondern weil der demokratische Prozess beschädigt wird – durch Nachlässigkeit, durch Intransparenz, durch fehlende Sensibilität. Und das gilt beileibe nicht nur für den eben geschilderten Vorfall!
8. Demokratie ist kein Zuschauerraum. Sie ist ein Mitmachbetrieb. Wenn Bürgerinnen und Bürger Missstände sehen, müssen sie sie benennen. Wenn sie Ungleichgewichte wahrnehmen, müssen sie sie thematisieren. Wenn sie das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, müssen sie nachfragen.Nicht aggressiv. Nicht polemisch. Aber bestimmt. Aber (siehe oben) es geschieht nicht; noch nicht einmal von Seiten des Gemeinderates - mit zwei bis drei Ausnahmen (von 40). Und die Zeitung verschweigt solche Anfragen bzw. Informationen.
Denn Demokratie stirbt nicht durch einen großen Knall. Sie stirbt durch viele kleine Nachlässigkeiten. Durch viele kleine „Wird schon passen“-Momente. Durch viele kleine Akte der Sorglosigkeit.
9. Am Aschermittwoch ist nichts vorbei. Die Fasnet endet. Die Masken fallen. Die Musik verstummt. Aber die Verantwortung bleibt.Und genau das ist die Botschaft, die Ravensburg jetzt braucht:
Wahlkampf ist kein Karneval. Demokratie ist kein Ausnahmezustand. Und Aschermittwoch ist nicht das Ende, sondern muss ein neuer Anfang sein, ein Kurswechsel der Presse und eine öffentliche Entschuldigung des amtierenden Oberbürgermeisters Dr. Rapp, der laut Zeitungsbericht gelernt habe, sich zu entschuldigen.
Der Anfang der Phase, in der sich zeigt, ob eine Stadt bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Ob sie bereit ist, ihre Fehler zu benennen. Ob sie bereit ist, Transparenz einzufordern. Ob sie bereit ist, demokratische Kultur ernst zu nehmen.
10. Die Narrenrechte enden dort, wo die Bürgerrechte beginnen. So könnte und müsste es eigentlich auch im deutschen Grundgesetz stehen.Der Liedtext sagt: „bald das Finale erklingt“. Aber in der Demokratie gibt es kein Finale. Es gibt nur Übergänge. Nur Prozesse. Nur die ständige Aufgabe, wachsam zu bleiben.
Ravensburg steht gerade an einem solchen Übergang. Zwischen Sorglosigkeit und Verantwortung. Zwischen Bequemlichkeit und Wachsamkeit. Zwischen zwölf Monaten Karneval und 365 Tagen Demokratie.
Und es liegt an den Bürgerinnen und Bürgern, welche Richtung die Stadt einschlägt.
Denn eines ist sicher: Am Aschermittwoch ist nichts vorbei. Da beginnt die Arbeit leider überfällig erst.