Wie die Presse ihren einseitig geführten OB-Wahlkampf spannend inszeniert ...
Beabsichtigt - von oben diktiert - oder reflexhaft, legt die kleine SZ ihr eigenes Selbstverständnis erneut offen. Die heutige Berichterstattung zur OB-Wahl in Ravensburg gehört zweifellos dazu: eine über pointierte Headline, ein künstlich aufgeblasener Fokus, ein bisschen Nostalgie-Klamauk (Fridi Miller, die namentlich sogar erwähnt wird) – und schon wird ein Narrativ gesetzt.
Man/frau könnte fast meinen, hier werde weniger informiert als vielmehr dramaturgisch vorstrukturiert. Und diese Mühelosigkeit, mit der der Redakteur seine elektronische Feder schwingt, hat zwar eine gewisse Eleganz, aber auch heftige Anzeichen von Realsatire.
Während die drei Herausforderer im Artikel nicht einmal namentlich vorkommen, ist es für die "Schwäbische Zeitung" allein wichtig zu fragen, ob Dr. Rapp (Amtsinhaber) nun 90, 92, 94 oder 96 Prozent bei seiner Wiederwahl erreicht. Und das mit der Akribie eines Laborversuchs. Dabei dienen die verschiedensten OB-Amtskollegen aus dem Kreis (teilweise ohne Gegenkandidaten) mit ihren Wiederwahlergebnissen und Klamauk-Fridi Miller als empirische Referenzpunkte. Ein völlig absurder Versuch, eine seriöse Prognose abzugeben.
Die demokratische Vielfalt schrumpft so auf eine einzige Messgröße zusammen: Wie hoch ist „hoch genug“? Man könnte sich darüber echauffieren. Man könnte es auch als das nehmen, was es ist: eine bemerkenswerte Form von Spannungskunst. Die Zeitung schafft es, ein im Himmel bereits entschiedenes Wahlergebnis (Rapp wird haushoch wieder gewählt) noch einmal hinsichtlich der Prozentpunkte dramatisch infrage zu stellen. Das versuchte Drama wird zur echten Redaktionskomödie.
So bleibt mit einem Lächeln, nicht das der Überheblichkeit, sondern der Gelassenheit, dieses Resümee: Die hiesige Zeitungen (SZ)
- Ist nicht der publizistische Fixpunkt in der Region.
- Sie setzt keine Standards.
- Sie prägt keine Diskurse.