Die sieben Stufen zum Ravensburger Imperium - Wenn der Blogger beabsichtigt einmal manipuliert und gewohnt satirisch schreibt und zeichnet ...
Diese Kolumne ist mit Absicht manipulativ gehalten. Sie übertreibt, sie spitzt zu, sie karikiert. Aber sie tut es offen, sichtbar ehrlich. Und vielleicht ist genau das der Unterschied: Manipulation wird erst dann gefährlich, wenn sie so tut, als wäre sie keine. Der Blogger hingegen manipuliert in diesem Artikel so offen, dass es hoffentlich schon wieder entwaffnend ist. Der Blogger ist der Kolumnist, der in diesem speziellen Fall seine Leser nicht täuscht, sondern ihnen die Täuschung wie ein Zauberer zeigen will, wie der Hase aus dem Hut kommt. Denn Manipulation, wenn sie offen geschieht, ist nicht mehr Verführung, sondern Aufklärung. Und Aufklärung ist in Ravensburg ein rares Gut, seltener als ein Bauprojekt ohne Kostensteigerung oder ein Amtsblatt ohne Selbstinszenierung.
Ich sage das gleich zu Beginn, damit niemand später behaupten kann, ich hätte ihn unvorbereitet in eine Meinung hineingeschubst. Nein, ich schiebe nur an, was ohnehin schon wackelt. Ich lege nur frei, was unter dem grauen Staub der Eminenzen verborgen liegt. Das heißt, ich versuche es. Ich versuche mich in diesem Fall als Manipulator, der die Manipulation erklärt, indem er sie nachahmt. Und wenn ich dabei übertreibe, dann nur, weil die Realität sich weigert, maßvoll zu sein.
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Nehmen wir die Ravensburger Bau- und Sanierungsprojekte. Ich könnte jetzt behaupten, sie seien teuer. Aber das wäre zu banal. Also manipuliere ich ein wenig: Ich erkläre sie zu Kunstwerken. Zu finanziellen Gesamtskulpturen, die sich nicht durch Architektur, Funktionalität oder Nutzen auszeichnen, sondern durch ihre Fähigkeit, sich selbst zu vervielfachen. Ein Projekt beginnt mit einer Summe, die so unschuldig wirkt wie ein Reh im Morgentau. Und dann, kaum hat man sich an die Zahl gewöhnt, wächst sie. Nicht ein bisschen, sondern mit der Entschlossenheit eines Hefeteigs in der Sonne. Diese sieben Stufen zum Imperium:
- Zuerst kommen die veranschlagten Kosten
- dann die erste Steigerung als ein Versehen
- dann die zweite Steigerung als ein Marktphänomen.
- dann die dritte Steigerung als eine Notwendigkeit.
- dann die vierte als eine Chance.
- dann die fünfte Steigerung als ein Zukunftsversprechen.
- dann die sechste Steigerung als selbstverständlich, dass man/frau sich fragt, warum man nicht gleich mit ihr begonnen hat.

Der Blogger beschreibt hier nur, wie man es uns verkauft. Und ich tue es so überzogen, dass es schon wieder wahr wird. Denn die Wahrheit ist manchmal so absurd, dass man sie nur satirisch ertragen kann.
Und während die Bauwirtschaft sich die Hände reibt, weil Ravensburg offenbar beschlossen hat, die lokale Konjunktur mit kommunalen Mitteln zu retten, erklärt man uns, dass all dies notwendig sei. Alternativlos. Zukunftsweisend. Und ich, der manipulative Kolumnist, nicke dazu und sage: Ja, natürlich, wer könnte denn gegen Alternativlosigkeit sein? Das wäre ja fast schon demokratisch.
Aber lassen wir die Betonpoesie kurz ruhen und wenden uns der Umweltpolitik zu. Auch hier könnte ich nüchtern analysieren, dass vieles Stückwerk ist, dass große Worte kleine Wirkungen haben, dass man in Ravensburg gerne von Nachhaltigkeit spricht, aber selten nachhaltig handelt. Doch das wäre zu einfach. Also manipuliere ich wieder — indem ich den Ravensburger Umwelt-Verbalismus zur eigentlichen Klimastrategie erkläre. Man/frau könnte ihn auch als "Oral-Ökologie" oder "Lippen-Klima" bezeichnen.
Gesagt wird „Klimaschutz“, gemeint aber ist eine weitere „Pressemitteilung“ oder ein plakattiver Zeitungsartikel. Gesagt wird „Mobilitätswende“, gemeint aber sind ein paar neue Fahrradständer. Gesagt wird „Energieeffizienz“, gemeint aber ist „wir beobachten die Lage“. Gesagt wird „Nachhaltigkeit“, gemeint aber ist „wir haben ein Logo dafür“.
Gesagt - getan? Von wegen! Das Haptische fehlt, das Nachweisbare fehlt, statt Signifikanz = Stillstand.
Ich übertreibe? Natürlich übertreibe ich. Das ist in diesem Fall mein Job. Aber ich übertreibe nur so weit, wie die Realität es zulässt. Und die Realität lässt viel zu. Denn wenn man die CO₂‑Bilanz der Stadt mit der Intensität vergleicht, mit der man über Klimaschutz spricht, dann wirkt das Ganze wie ein Theaterstück, in dem der Text großartig ist, aber die Schauspieler nie zur Probe erscheinen.
Man und Frau könnten all das als kommunale Folklore abtun, als harmloses Spiel der politischen Kommunikation. Doch dann kommt ein Moment, der zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Information und Inszenierung ist und wie dünn damit auch das "Eis" geworden ist. Ein Moment wie der 14. Februar 2026. Eine Ausgabe des Amtsblatts, die man zweimal lesen musste, um sicherzugehen, dass man nicht versehentlich in einem Wahlprospekt gelandet war. Auf der letzten Seite - und dort sehr groß, präsentierte sich der zur Wiederwahl Stehende --- lächelnd, souverän, als wäre das Amtsblatt nicht ein neutrales Informationsmedium - gerade in Wahlzeiten -, sondern ein Schaufenster für persönliche Strahlkraft. Diese Anzeige ist im Anzeigenteil platziert, für die augenscheinlich (siehe Impressum) die Ravensburger Stadtverwaltung keine Verantwortung trägt, sondern eine Privatfirma. Allerdings ist sie der Herausgeber der Gesamtausgabe (dito). Daher kann es durchaus als Missbrauch gedeutet werden, wenn eine Amtsblattausgabe vom amtierenden (!) Oberbürgermeister für dessen persönlichen Zwecke genutzt wird. Es wäre interessant zu sehen, ob die drei Mitkandidaten, wenn sie ihre private Anzeige dort schalten wollen, dort auch tatsächlich erscheinen und was es sie kosten würde.
Ich könnte jetzt behaupten, das sei moralisch fragwürdig. Aber das wäre zu direkt. Also sage ich es anders: Es ist bemerkenswert, wie flexibel die Grenzen zwischen Amt und Wahlkampf werden können, wenn man sie nur oft genug berührt. Und ich, der manipulative Kolumnist, versuche so zu tun, als wäre das alles völlig normal, während ich gleichzeitig darauf hinweise, dass es das nicht ist. Das ist die hohe Kunst der offenen Manipulation: Ich sage etwas, indem ich so tue, als würde ich es nicht sagen.
Die lokale Presse wiederum ist ein Kapitel für sich. Unabhängig, selbstverständlich. Kritisch, natürlich. Objektiv, ohne Zweifel. Und doch erstaunlich synchron. Manchmal hat man/frau das Gefühl, es gäbe eine unsichtbare Redaktion, die vorgibt, welche Tonlage heute angesagt ist. Nicht falsch, nicht gelogen, nur… harmonisiert.
Ich könnte jetzt manipulativ behaupten, die Presse sei ein verlängerter Arm der Stadtverwaltung. Aber das wäre unfair. Also sage ich es anders: Die Presse berichtet, was berichtet werden kann, ohne dass jemand nervös wird. Und sie lässt weg, was Fragen aufwerfen könnte, die man nicht stellen möchte, und es wird nicht erwähnt, was die Machtverhältnisse in Ravensburg entscheidend verändern könnte. Das ist keine Manipulation. Das ist Rücksichtnahme. Und Rücksichtnahme ist in Ravensburg eine Tugend, die man pflegt wie andere Leute ihre Zimmerpflanzen: regelmäßig gießen, aber nicht zu viel Licht.
Und dann kommt der Wahlkampf. Ein Schauspiel, das sich selbst spielt. Der Amtsinhaber tritt auf wie ein Mann, der die Stadt erfunden hat. Die Herausforderer treten auf wie Menschen, die höflich darum bitten, auch einmal mitspielen zu dürfen. Die Presse applaudiert vorsichtig. Das Amtsblatt beleuchtet die Bühne. Und die Bürger sitzen im Publikum und fragen sich, ob das Stück irgendwann eine überraschende Wendung nimmt oder ob es wieder so endet wie immer: mit einem Ergebnis, das man schon kannte, bevor der Vorhang sich hob.
Ich könnte jetzt behaupten, dass die Bürger das Spiel durchschauen. Aber das wäre wohl zu schmeichelhaft. Die Bürger Ravensburgs sind nicht dumm. Sie sehen, was passiert. Sie hören, was gesagt wird. Sie lesen, was gedruckt wird. Und sie wissen, dass Wahlkampf nicht die Zeit der Wahrheit ist, sondern die Zeit der Geschichten. Und Geschichten erzählt Ravensburg gut. Und doch - auch nach der nächsten Wahl - sei es die zum Gemeinderat oder die zum Oberbürgermeister - ändert sich in Ravensburg nichts. Es geht weiter oder noch schlimmer als bisher. Nur mit einer anderen Farbfolge.
Und hier kommt der Blogger ins Spiel. Der in diesem Falle manipulative Kolumnist, der all das beschreibt, indem er es überzeichnet. Der versucht, die Mechanismen offenzulegen, indem er sie nachahmt. Welcher die rhetorischen Tricks zeigt, indem er sie selbst benutzt.
Und was bleibt am Ende? Eine Stadt, die sich gerne größer macht, als sie ist. Eine Politik, die sich gerne grüner gibt, als sie handelt. Eine Presse, die vielleicht gerne kritischer wäre, als sie darf. Ein Amtsblatt, das neutral zu bleiben hat, aber diese Linie am entscheidenden Punkt verlässt. Und ein Wahlkampf, der gerne spannender wäre, als er ist.
Und der Blogger, der all das beschreibt, indem er es übertreibt, tut nur eines: Er kratzt an der kommunalen Veredelungsschicht, damit die Wirklichkeit sichtbar wird. Nicht, weil er sie schöner machen will, sondern weil er glaubt, dass Ehrlichkeit der erste Schritt zur Veränderung ist.
Und vielleicht, ganz vielleicht, ist das die eigentliche Manipulation: die Hoffnung, dass jemand zuhört.