"Oh weh, OB!" --- 6. bis 8. März 2026: Ein demokratisches Fest mit kommunalem Spektakel wird zum verunglückten Drama ...
Verehrte Leserschaft,
vor uns liegt ein Ravensburger Wochenende, dessen Regisseure sich nicht entscheiden konnten, ob es ein demokratisches Fest, ein kommunales Spektakel oder ein dramaturgischer Unfall sein soll. Ein Wochenende, das sich wie ein Romananfang anfühlt, den man eigentlich noch einmal umschreiben müsste – aber niemand hat die Zeit dafür und die Termine sind schon gedruckt. Und überhaupt.
Ich rede nicht von dem kommenden Wochenende, wo sich die vier Kandidaten (leider ist keine Frau dabei) für die Oberbürgermeisterwahl öffentlich dem Wählervolk vorstellen dürfen, sondern von dem darauf folgenden, den an den Aschermittwoch angehängten närrischen Tagen: Freitag (6. März; Samstag 7. März und Sonntag 8. März 2026).
Es ist - um es vorwegzusagen - ein total überfrachtetes Wochenende, so wie ich es oben schon angedeutet habe. Tage, deren Appendix eher daher kommt wie ein Blinddarm oder ein Kropf, anstatt wie ein Herz oder das Hirn: Der Sonntag mit der für Ravensburg wegweisenden und entscheidenden Oberbürgermeisterwahl. Die Landtagswahl ist in der Tat zu vernachlässigen. Denn egal, wen oder was du wählst und wer am Ende mit welcher Farbkonstellation regiert, es ist immer das Gleiche.
So wird es auch mit der Oberbürgermeisterwahl sein - wenn, ja, wenn da nicht ein Gegenkandidat wäre, der einen echten Paradigmenwechsel in Sachen Klima, Wohnungsnot und Sozialem herbeiführen könnte, einen Wechsel, den sich sehr viele Bürger/innen wünschen. Wenn da nicht ein weiterer Kandidat wäre, der die Generation Z und die große Migrationsfamilie Ravensburgs auf seiner Seite hat. Wenn da nicht ein dritter Kandidat wäre, der Aussteiger und Spirituelle begeistert.
Das alles steht zwar nicht in der Zeitung, aber es ist existent - und gerade deshalb für den Amtsinhaber gefährlich. Doch gehen wir der Reihe nach.
Am Freitag, 6. März kommt Merz - Der Bundeskanzler höchst persönlich erscheint auf der Bühne der grell erleuchteten Oberschwabenhalle. Viele Tausende wollen kommen. Doch einige Tausende werden keinen Parkplatz finden. Offiziell ist Friedrich Merz sicher wegen der zwei Tage später stattfindenden Landtagswahlen angereist. Darüber und über seine tolle CDU wird er sprechen und dafür werben. Ob er es sich verkneifen kann, einen verbalen Abstecher zu der zeitgleich erfolgenden OB-Wahl mit CDU-Freund Rapp als schon erkorenem Winner zu machen, ist fraglich. Ich vermute (und das ist ganz und gar nicht abwegig), dass er dem Kneifen nachgibt und dafür sorgen wird, dass der Amtierende nicht nur 90 plus X, sondern 100 minus Y Prozent erhält.
Am Samstag, 7. März ein Lichterscherz - 30.000 Menschen werden kommen. Eigentlich nur 28.000, denn 2.000 von ihnen waren schon bei Merz und sind gleich - nach dem Abfeiern des Kanzlers - in der City geblieben. Das große Ravensburger Lichterfest, welches nichts anderes ist als Roms "Brot und Spiele" zur Belustigung und Beruhigung des Volkes. Nur dass es im Kolosseum keine Energiekrise, keine Klimakrise gab. "Ach, das sind doch nur LED-Lampen, die keine (kaum) Energie vergeuden!" Das muss ich mir immer wieder anhören. Abgesehen davon, dass sie es doch tun, wenn auch nicht in dem Maße wie die alten "guten" Glühbirnen, geht es doch hier um etwas völlig anderes.
Es ist ein doppeltes und in Potenz erhobenes verheerendes Signal, welches hier die Stadt Ravensburg (denn sie ist der Veranstalter) ins Universum des fehlenden Einfühlungsvermögens sendet.
Denn erstens ist das Lichterfest anlasslos und somit völlig losgelöst und schwerelos! Ein Trubel um des Trubels Willen. Wenn es doch zumindest als Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine oder als Mahnung in Richtung Naher Osten oder als Protest gegen die Rechtspopulisten inklusive Trumps USA wäre! Ist es aber nicht!
Und zweitens ist es gerade wegen des Klimawandels und der immer teurer werdenden Energie eine Verhöhnung derer, die sich die Energie für Licht, Kochen, Heizen und manche nicht einmal das Licht mit LED in ihren Wohnungen leisten können. Zumindest nicht in dem Umfang, wie du und ich es gerne haben.
Und drittens geht dieses Lichterfest plus den angesagten Afterpartys bis tief in die Nacht und womöglich bis in den frühen Morgen des Tages, an dem wenige Stunden (gähn!) später die Oberbürgermeisterwahlen stattfinden (sollen). Wer nicht schon per Brief sein "Kreuz" abgeschickt hat, wird vermutlich im Bett bleiben oder sein Kreuz benebelt an die erstbeste Stelle setzen.
Ob man/frau da auf schlechtes Wetter hoffen soll, damit das Lichterfest auf das dann folgende Wochenende fällt? Auch keine Lösung, oder?
Am Sonntag, 8. März - Es lebe der Kommerz
Dieser Begriff setzt sich zwar nicht aus "Merz kommt" zusammen, aber passen würde es schon! Nein, es geht am entscheidenden Tag, der nun aber durch das Ravensburger Gedöns zum "Tag der Ausgelaugten" gemacht wurde darum, ob es an der Schussen weitergeht mit leeren Versprechungen, mit solchen, die vorsätzlich gar nicht erfüllt werden sollen, mit Ausreden, Fake statt Fakt, mit Kommerz vor Klima, mit tot sanierten Plätzen statt Erholungspark, mit teurem ÖPVN, mit Wohnungsnot und mit vergilbten Feigenblättern, statt Grün am Turm.
Bleiben Sie daher wachsam, denn ...