Dem Oberbürgermeister gebührt die Ehre für die gelungene Inszenierung; dem Bürger aber gebührt die ganze Wahrheit ...
„22 minus 2 Millionen Euro“ — so klingt das Versprechen im Rahmen der bevorstehenden Kornhaus-Sanierungen, bis man/frau die Rechnung umdreht und merkt: Die Daten sind kein Geschenk, sondern ein Skalpell an der Substanz und der ganzen Wahrheit (die hat immer mindestens zwei Seiten). Wochen zuvor erklärte der Oberbürgermeister die 2 Millionen Euro an Einsparungen noch mit "allgemein gesunkenen Baukosten"; jetzt posiert die CDU-Fraktion mit den von ihr erzwungenen Einsparungen wie mit einer Trophäe.
Die 2 Millionen Euro sind keine plötzliche Markt-Rabattaktion. Sie sind nun das Ergebnis von minderer Sanierung: weniger Material, weniger Qualität, weniger Zukunftssicherheit. Man/frau streicht an bestimmten "Ecken", man/frau verschiebt notwendige Arbeiten, man reduziert Standards — und nennt das „Sparmaßnahme“. Die ursprüngliche Begründung mit angeblich gesunkenen Baukosten verschwindet dabei völlig, sobald die Einsparung als Wahlkampferfolg taugt. Denn der OB ist - wie die Damen und Herren mit der Fahne "Wir, wir, wir haben es bewirkt" - ebenfalls CDU-Mitglied. Fakten, die dem widersprechen, werden nicht debattiert; sie werden marginalisiert oder ausradiert.
Rund vierzig Stimmen sagen eingelullt "JA" - nur eine Enthaltung. Das ist kein demokratisches Ringen, das ist kollektives Wegsehen. Fehlender Mut zum "Nein" heißt hier: lieber mitklatschen als unbequem nachfragen. Wer fragt nach unabhängigen Kostengutachten? Wer besteht aufgrund der Einsparungen auf eine Risikoabschätzung für die nächsten zehn Jahre? Die Antworten fehlen — und das Schweigen ist lauter als jede Rechtfertigung.
Doch wer länger in Ravensburg lebt, kennt das Muster: Aus einem scheinbar einfachen Rechenschritt wird ein variables Monster. Die Rechnung beginnt mit (immer in Millionen Steuergelder gerechnet):
was sich toll und endgültig anhört und auch so verkauft wird. Doch sie wird nicht bei enden. Erfahrungsgemäß (!!) wird sie mutieren, sie wird wachsen, sie wird sich durch den Haushalt fressen:
Was als Einsparung verkauft wird, ist oft nur der erste Akt einer Serie von Nachforderungen, Nachträgen und „unvorhergesehenen“ Kosten — bis am Ende der Bürger die Rechnung trägt. Wir werden sehen und fragen jetzt schon:
Warum wurde die Einsparung zuerst mit „gesunkenen Baukosten“ begründet, und warum wird diese sich als falsch herausgestellte Begründung nicht mehr kommuniziert? Und warum lassen alle diese Behauptungen unter das Oval im oberen Stock des Rathauses fallen?
Welche langfristigen Folgekosten sind durch die Einsparungen = Kürzungen bei den Sanierungen zu erwarten?
Liegt ein zweites unabhängiges Kostengutachten vor, das die beschlossenen Einsparungen als sinnvoll und nachhaltig bestätigt?
Wer trägt die Haftung, falls durch die Minder‑Sanierung Folgeschäden entstehen oder Nachbesserungen nötig werden?
Warum hat der Gemeinderat aufgrund dieser verworrenen und nachträglichen Argumentation und der gesamten Gemengelage überhaupt einer Sanierung zugestimmt?
Vor allem: Welche Maßnahmen sind vom Gemeinderat beschlossen worden, damit künftige Sanierungen nicht nach dem gleichen Muster enden?
Wird ein eventuell neu gewählter Oberbürgermeister (8./22. März 2026) den Fall "Kornhaus" noch einmal neu aufrollen?
Kurzfristig mag die Schlagzeile „2 Millionen Euro eingespart“ gut klingen. Mittelfristig drohen aber höhere Folgekosten, schlechtere Bausubstanz und ein Vertrauensverlust in die kommunale Haushaltsführung und weitere Verdrängungen. Politisch ist das ein Spiel mit dem Feuer: Wahlkampf heute, Reparaturkosten morgen. Moralisch ist es ein Affront gegen jene Bürger, die erwarten, dass öffentliche Mittel verantwortungsvoll und transparent eingesetzt werden und dass auch ein Oberbürgermeister für falsche Behauptungen zur Rechenschaft gezogen werden muss.
Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, und Gott, was Gott gebührt. Dem Oberbürgermeister und der CDU mag die gelungene Inszenierung gebühren; dem Bürger aber gebührt die ganze Wahrheit. Wer das nicht aushält, hat den Hundebiss in die demokratische Wade nicht gespürt. Wer das nicht sehen will, hat die Pflicht zur Wachsamkeit abgegeben.
Schlussbemerkung: Man/frau stelle sich vor, drei Wochen vor der Ravensburger Oberbürgermeisterwahl hätte das Gremium der Ravensburger Volksvertretung mehrheitlich gegen die so performte Sanierung des Kornhauses gestimmt! (Hier mache ich eine Pause, damit der/die Leser/in es sacken lassen kann ~~~~~~~~~~~~~~~~~~).
Was hätte (Konjunktivus Ravensburgis) das für Dr. Daniel Rapp, der weiterhin OB der Turmstadt bleiben will, bedeutet? Zwei Wochen vor der Wahl! Rechnen und "phantasieren" Sie bitte selbst.