OB-Wahl: Viele Wege führen nach Rom - nach Ravensburg sind es derer vier (4)
Verehrte Leserschaft.
Stellen wir uns einmal vor, es gäbe in Ravensburg eine neutrale, unbefangene, unparteiliche und investigative Zeitung. Nennen wir sie mal
"Ravensburger Stimme" - Ihre Zeitung mit neutraler, unbefangener, unparteilicher und investigativer Berichterstattung.
Vor allem im Hinblick auf den jetzt stattfindenden OB-Wahlkampf wäre das hochinteressant. Und tun wir auch so, als sei der folgende Bericht der erste seiner Art und all die schon in der offiziellen Presse erschienenen und auch sonstigen gäbe es nicht.

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RAVENSBURGER STIMME
Ravensburg steht am 8. März 2026 vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Vier Kandidaten bewerben sich um das Amt des Oberbürgermeisters, vier Persönlichkeiten mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen, politischen Schwerpunkten und Vorstellungen von der Zukunft der Stadt. Die Wahl findet in einer Zeit statt, in der viele kommunale Themen gleichzeitig drängen: Wohnraum, Verkehr, Klimaanpassung, Digitalisierung, soziale Wohnraum, Teilhabe, wirtschaftliche Stabilität und die Frage, wie eine Stadt mit wachsender Vielfalt und steigenden Anforderungen umgehen kann. Der folgende Artikel will den Bürgerinnen und Bürgern eine Grundlage dafür zu geben, um sich ein eigenes Bild von den vier Kandidaten zu machen.
Dr. Daniel Rapp, seit 2010 Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, tritt erneut an. Sein beruflicher Hintergrund liegt in der Rechtswissenschaft und der öffentlichen Verwaltung. In seiner bisherigen Amtszeit standen Themen wie Stadtentwicklung, Kulturförderung, wirtschaftliche Stabilität und die Modernisierung kommunaler Strukturen im Mittelpunkt.
Rapp betont in seinem Wahlkampf die Bedeutung von Kontinuität und Erfahrung. Er verweist auf abgeschlossene und laufende Projekte, die er in den vergangenen Jahren angestoßen oder begleitet hat. Dazu gehören städtebauliche Maßnahmen, Investitionen in Bildungseinrichtungen, die Weiterentwicklung des öffentlichen Nahverkehrs sowie die Förderung von Kultur- und Sportangeboten.
Ein zentrales Anliegen seiner erneuten Kandidatur ist die Fortführung langfristiger Projekte, die über mehrere Wahlperioden hinweg geplant sind. Dazu zählen infrastrukturelle Maßnahmen, die Anpassung an klimatische Herausforderungen, die Digitalisierung der Verwaltung und die Stärkung der lokalen Wirtschaft.
Rapp setzt auf einen Verwaltungsstil, der auf Stabilität, Verlässlichkeit und institutionelle Erfahrung ausgerichtet ist. Er betont die Bedeutung eines konstruktiven Miteinanders zwischen Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft. Seine Kampagne richtet sich an Wählerinnen und Wähler, die Kontinuität schätzen und auf bewährte Strukturen setzen.
Roman Urban tritt ebenfalls als unabhängiger Kandidat an. Er bringt berufliche Erfahrungen aus Unternehmertum, Projektentwicklung und wirtschaftlicher Beratung mit. Sein Profil ist geprägt von wirtschaftsnahen Themen, Innovationsorientierung und einem Fokus auf langfristige Stadtentwicklung.
Urban betont die Bedeutung einer modernen, zukunftsorientierten Stadtpolitik. Dazu gehören Digitalisierung, wirtschaftliche Diversifizierung, Förderung von Start‑ups und die Entwicklung neuer Arbeits- und Lebensmodelle. Er sieht Ravensburg als Standort mit großem Potenzial, das durch gezielte Investitionen und strategische Planung weiter gestärkt werden kann.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Kandidatur ist die Verbesserung der Infrastruktur – sowohl im Verkehr als auch in der digitalen Versorgung. Urban spricht Wählerinnen und Wähler an, die wirtschaftliche Stabilität, Innovation und unternehmerisches Denken schätzen.
Sein Politikstil ist analytisch und strategisch. Er setzt auf langfristige Planung, Effizienz und die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.
Umut Bulut tritt ebenfalls als unabhängiger Kandidat an und bringt berufliche Erfahrungen als Gastronom und seiner eigenen erfolgreichen Integrationsgeschichte als Migrantenkind mit. Er ist begeisterter Sportler und das zivilgesellschaftlichem Engagement liegt ihm sehr am Herzen. Er ist in Ravensburg und Umgebung gerade unter jungen Leuten sehr bekannt.
Bulut stellt die soziale Dimension der Stadtpolitik in den Mittelpunkt. Er betont die Bedeutung von Chancengleichheit, Bildungsgerechtigkeit, Integration, gesunde Ernährung, weniger Abhängigkeit von den elektronischen Netzwerken und soziale Teilhabe. Sein Programm richtet sich an Menschen, die sich eine Stadt wünschen, die niemanden zurücklässt und die soziale Infrastruktur stärkt.
Ein zentrales Anliegen seiner Kandidatur ist die Verbesserung der Lebensbedingungen in Stadtteilen, die von sozialen Herausforderungen geprägt sind. Dazu gehören Maßnahmen zur Förderung von Bildung, Kultur, Sport und Begegnung. Bulut setzt auf eine Politik, die Brücken baut – zwischen Generationen, Kulturen und sozialen Gruppen.
Sein Politikstil ist dialogorientiert und bürgernah. Er betont die Bedeutung von direktem Austausch, Zuhören und gemeinsamer Problemlösung. Seine Kandidatur spricht Menschen an, die soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt stellen.
Samuel Bosch tritt als unabhängiger Kandidat an und bringt einen Hintergrund aus Klimaaktivismus, Bürgerengagement und politischer Jugendbewegung mit. Er ist in der Region bekannt durch sein Engagement für Klimaschutz, nachhaltige Stadtentwicklung und soziale Gerechtigkeit.
Bosch stellt die ökologische Transformation der Stadt in den Mittelpunkt seiner Kandidatur. Er fordert eine konsequente Reduktion von CO₂‑Emissionen, den Ausbau erneuerbarer Energien, eine stärkere Förderung des Radverkehrs und eine nachhaltige Nutzung städtischer Flächen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Nutzung leerstehenden Wohnraums, die er als eine der zentralen Herausforderungen der Stadt betrachtet.
In seinem Programm betont Bosch die Bedeutung von Transparenz, Bürgerbeteiligung und einer offenen politischen Kultur. Er spricht insbesondere jüngere Wählerinnen und Wähler an, aber auch Menschen, die sich eine grundlegende Veränderung der kommunalen Prioritäten wünschen.
Bosch setzt auf einen aktivierenden Politikstil, der Bürgerinnen und Bürger stärker in Entscheidungsprozesse einbindet. Seine Kandidatur steht für einen deutlichen politischen Richtungswechsel, der ökologische und soziale Themen in den Vordergrund stellt.
Obwohl die vier Kandidaten unterschiedliche Schwerpunkte setzen, stehen sie vor denselben grundlegenden Herausforderungen, die die Stadt in den kommenden Jahren prägen werden. Dazu gehören:
Wohnraum: Die Nachfrage steigt, die Flächen sind begrenzt, die Preise hoch.
Verkehr: Die Stadt sucht nach Lösungen für Stau, Lärm, Klimabelastung und Mobilitätswandel.
Klimaanpassung: Hitze, Starkregen und ökologische Belastungen erfordern neue Strategien.
Soziale Teilhabe: Die Stadt wächst, wird vielfältiger und braucht Strukturen, die Integration und Gerechtigkeit fördern.
Digitalisierung: Verwaltung, Bildung und Wirtschaft stehen vor einem tiefgreifenden Wandel.
Wirtschaftliche Stabilität: Mittelstand, Handel und Industrie müssen gestärkt werden, um Arbeitsplätze zu sichern.
Demografischer Wandel: Eine alternde Bevölkerung stellt neue Anforderungen an Pflege, Barrierefreiheit und Infrastruktur.
Jeder der vier Kandidaten bietet einen eigenen Ansatz, um diese Herausforderungen anzugehen. Die Unterschiede liegen weniger in der Diagnose als in der Priorisierung und der politischen Philosophie.
Die Oberbürgermeisterwahl 2026 ist eine Entscheidung über den Kurs der Stadt. Sie ist keine Abstimmung über einzelne Projekte, sondern über politische Grundhaltungen. Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden darüber, ob sie Kontinuität oder Veränderung bevorzugen, ob ökologische, soziale oder wirtschaftliche Themen im Vordergrund stehen sollen, und welche Art von politischer Führung sie sich wünschen.
Die Wahl findet in einer Zeit statt, in der viele Menschen das Bedürfnis nach Orientierung, Stabilität und Verlässlichkeit verspüren, während andere nach neuen Wegen, neuen Ideen und neuen politischen Formen suchen.
Ravensburg ist eine Stadt mit langer Geschichte, aber auch mit wachsender Dynamik. Die Entscheidung am 8. März wird bestimmen, wie diese Dynamik gestaltet wird – behutsam oder mutig, stabilisierend oder transformierend, verwaltungsorientiert oder aktivierend.
Unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht, steht eines fest: Die Zukunft der Stadt hängt nicht allein von der Person ab, die das Amt übernimmt. Sie hängt von der Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger ab, sich einzubringen, mitzudenken und Verantwortung zu übernehmen.
Eine lebendige Demokratie lebt vom Austausch, vom Zuhören, vom Mitgestalten. Die vier Kandidaten bieten unterschiedliche Wege an – aber der Weg selbst wird erst durch die Menschen bestimmt, die ihn gehen.
Die „Ravensburger Stimme“ versteht diese Vorstellung der vier Kandidaten als Beitrag zu einer informierten, fairen und offenen demokratischen Kultur. Die Entscheidung liegt nun bei den Bürgerinnen und Bürgern.
Am 8. März 2026 wird Ravensburg wählen – und damit bestimmen, welchen Weg die Stadt in den kommenden Jahren einschlagen wird.