Die Oberschwabenhalle ist nicht das Problem. Die 'Ravensburger Argumentation' ist es. - Konzerthaus soll Sporthalle für benachbarte Realschule werden ...
Die Ravensburger Verwaltung argumentiert, die Oberschwabenhalle (OSH) müsse zur Sporthalle umgebaut werden, weil dort „nur noch rund zwei Veranstaltungen pro Monat“ stattfinden würden. Das klingt nach einem Problem — bis man* (man/frau) sich fragt: Und wie viele Veranstaltungen hat eigentlich das Konzerthaus?
Ein Blick in dessen Terminkalender zeigt: praktisch dasselbe Niveau. Keine Dauerbelegung, keine kulturelle Überhitzung, kein „Wir kommen mit den Terminen nicht mehr hinterher“. Eher: Ravensburg atmet durch. Sehr durch. Zu durch.
Wenn also die OSH wegen geringer Auslastung ihre Funktion verlieren soll, dann müsste das Konzerthaus — nach exakt derselben Logik — ebenfalls umgewidmet werden. Denn Denkmalschutz schützt Mauern, nicht Inhalte.
Die Logik der Verwaltung und des Oberbürgermeisters zumindest in diesem Fall: einseitig wie ein Verkehrsspiegel.Die OSH ist laut städtischer Selbstdarstellung eine multifunktionale Großveranstaltungshalle, geeignet für Konzerte, Comedy, Messen, Flohmärkte, Ausstellungen und Events bis zu 5.000 Personen. Sie verfügt über:
2.100 m² Nutzfläche
850 m² Foyer
Backstagebereich, Künstlergarderoben, Produktionsbüro
über 1.000 kostenlose Parkplätze
flexible Bespielbarkeit ohne feste Bühne
Das ist kein Problemfall. Das ist ein regionaler Premiumraum, der — wie die Eventlisten zeigen — weiterhin regelmäßig genutzt wird: Comedy, Musicals, Flohmärkte, Shows, Ballett, Turngala, Konzerte.
Die Verwaltung behauptet trotzdem, die Halle sei „unterausgelastet“. Doch dieselbe Unterauslastung im Konzerthaus? Kein Thema. Kein Problem. Kein Handlungsbedarf.
Das nennt man* in der Logik: selektive Wahrnehmung. In der Politik: Agenda-Setting. In Ravensburg: Sachstand.
Wenn man* die Argumentation ernst nimmt, wird es für die Stadt peinlich.Nehmen wir die städtische Logik beim Wort:
1. Wenig Auslastung = Umnutzung!Dann muss das Konzerthaus ebenfalls dran glauben. Denn dort ist die Frequenz nicht höher als in der OSH.
2. Kultur kann man verlagern!Dann können Milka-Veranstaltungen, Theater Ravensburg, Gastspiele und Kulturprogramme problemlos in die OSH umziehen. Dort ist Platz. Dort ist Technik. Dort ist Parkraum. Dort ist Flexibilität.
3. Gebäudezweck ist veränderbar!Dann kann das Konzerthaus — denkmalgeschützt hin oder her — inhaltlich neu genutzt werden.
Zum Beispiel:
Dauerausstellung „Ravensburger Versäumnisse seit 1933“ (Material gäbe es reichlich, und es käme laufend Neues dazu.)
Eigene Sporthalle für die benachbarte Realschule (Wenn schon Sporthallenbedarf besteht, warum dann nicht dort?)
Dokumentationszentrum kommunaler Fehlentscheidungen (Ein Wachstumsmarkt.)
Die OSH ist nicht unterausgelastet. Sie ist untergenutzt, weil die Stadt seit Jahren keine klare Kulturstrategie hat. Weil man* lieber umbaut, statt zu gestalten. Weil man* lieber behauptet, statt zu analysieren. Man* schafft lieber Tatsachen, statt reale Tatsachen zu prüfen.
Die Verwaltung verkauft eine Auslastungs-These, die beim ersten Faktencheck implodiert. Der Gemeinderat nickt und will prüfen und vermutlich absegnen - trotz bürgerlicher Proteste. Die Öffentlichkeit soll glauben, es gebe keine Alternative.
Doch die Zahlen zeigen: Die Argumentation ist konstruiert. Nicht die Halle ist das Problem — sondern die Logik.
Fazit: Wenn man* die Ravensburger Argumentation ernst nimmt, wird die Stadt unregierbar.Wer die OSH wegen geringer Veranstaltungszahl zur Sporthalle machen will, muss konsequenterweise:
das Konzerthaus ebenfalls umwidmen,
Kultur in die OSH verlagern,
und die städtische Kulturpolitik komplett neu denken.
Doch das passiert nicht. Weil es nie um Logik ging. Sondern um ein politisches Ziel, das man* mit einer „Auslastungs-Erzählung“ bemäntelt.
Die OSH ist nicht das Problem. Die Ravensburger Argumentation ist es.