OSH: Ein kleines Stück Gegenwehr contra eine große Entscheidung, die ohne die Menschen getroffen werden soll, die sie betrifft.
Manchmal findet ein politisches Thema nicht durch eine große Debatte seine Fortsetzung, sondern mit einer oder zwei einfachen, ehrlichen Fragen.
Ein journalistischer Freund schrieb mir heute, er habe meine Petition zum Erhalt der Oberschwabenhalle Ravensburg als Ort der kulturellen Begegnungen unterschrieben und sie an einige kulturaktive Bekannte weitergeleitet. Dann stellte er die Fragen, die viele denken, aber kaum jemand ausspricht:
- Warum unterschreiben so wenige diese relevante Petition? Und er fragt weiter:
- Ist die Oberschwabenhalle als kultureller Ort vielleicht längst bedeutungslos geworden?
Diese Fragen sind nicht zynisch gemeint, sondern sie sind notwendig. Und sie verweisen auf ein strukturelles Problem, das weit über die zur Disposition stehende Halle hinausgeht.
Meine nüchterne Antwort lautet: Die geringe Resonanz ist kein Ausdruck mangelnden Interesses, sondern mangelnder Sichtbarkeit. Die Schwäbische Zeitung weigert sich beharrlich, über den Widerstand gegen die geplante Umnutzung der Oberschwabenhalle in eine reine Sporthalle zu berichten. Sie ist darüber bestens informiert. Keine Zeile zur Petition, kein Hinweis auf die Debatte, kein journalistischer Impuls, der die Öffentlichkeit überhaupt erst in die Lage versetzen würde, sich eine Meinung zu bilden.
Wäre darüber und dazu berichtet worden, läge die Petition heute vermutlich bei 500 oder sogar 1.000 Unterschriften. So aber bleibt die Petition im Schatten — und genau dort hätte die Stadtverwaltung sie auch gern.
Dass ich 20 Tage auf eine ordentliche Eingangsbestätigung warten musste, spricht für sich. Außerparlamentarischer Widerstand ist nicht vorgesehen, und wenn er doch auftaucht, wird er administrativ bis zur Unkenntlichkeit verdünnt.
Dabei zeigt ein Blick zurück, wie stark Öffentlichkeit wirken kann. Als ich vor Jahren eine Petition gegen Tempo 30 in der Innenstadt Ravensburgs startete und die Zeitung darüber berichtete, kamen 940 Unterschriften zusammen. Damals war ich der Redaktion der hiesigen Presse noch angenehm, und die Petition passte ins Bild. Heute ist das anders.
335 Unterschriften - der aktuelle Stand der Oschwa-Petition - sind für Ravensburg keineswegs schlecht. Aber gemessen an der Bedeutung des Themas sind sie zu wenig. Und viele teilen die Einschätzung, dass die schwache Nutzung der Halle weniger an der Halle selbst liegt als am fehlenden Management der Stadt. Vielleicht glaubt man/frau im Rathaus, Theater, Kino, Kunstverein und die Zehntscheuer seien genug Kultur für eine Stadt dieser Größe. Doch die Halle heißt nicht „Ravensburg-Halle“, sondern „Oberschwabenhalle“ — und Oberschwaben ist groß.
Die Frage meines Freundes zielte auf die Realität: Ist die Halle kulturell tot? - Ich glaube, sie wurde eher in einen künstlichen Schlaf versetzt, um am Ende gute Argumente für den Grund ihres Ablebens zu haben.
Es wäre ein demokratischer Akt, wenn die lokale Presse über diese Petition berichten würde. Denn betroffen ist nicht nur Ravensburg, sondern der gesamte Einzugsbereich. Öffentlichkeit ist kein Luxus, sondern Voraussetzung politischer Teilhabe. Bleibt es beim Schweigen der regionalen Journalisten, ist dies ein weiterer Sargnagel für die Demokratie.
Bis dahin bleibt die Petition ein kleines Stück Gegenwehr contra eine große Entscheidung, die ohne die Menschen getroffen werden soll, die sie betrifft.