Ravensburg mit "Obersporthalle": Eine BURG ohne BÜRGER - Wenn die Zugbrücke scheinbar nur für Erwählte heruntergelassen wird ...
Meine ganz persönliche Meinung, die niemand teilen muss.
Am 13. Juli 2026 tritt der Ravensburger Gemeinderat – elf Tage vor dem Rutenfest, das auch von den Mitgliedern des Gremiums mit „ruateliger“ Vorfreude erwartet wird – zu seiner Sitzung zusammen. Die Atmosphäre in der Stadt und im Rats-Saal dürfte entsprechend taumelig aufgeladen sein. Auf der Tagesordnung steht der geplante Umbau der Oberschwabenhalle zu einer reinen Sporthalle.
Am Samstag, den 4. Juli 2026, veröffentlichte die „Schwäbische Zeitung“ (online) hierzu einen deutlich tendenziösen Artikel. Darin kommen acht Personen aus Verwaltung, Sport und Vereinswesen zu Wort, die das Projekt unterstützen:
- Oberbürgermeister Dr. Rapp,
- der Ehrenvorsitzende des Sportkreises Engler,
- Sportkreis-Vorsitzender Beck,
- EVR-Vorstand Leiprecht,
- TSB-Vorsitzender Prüß,
- KJC-Vorsitzender Hübner,
- DAV-Mitglied Häring und
- FV-Mitglied Moosmann.
- Auch die Berichterstattung der Zeitung selbst wirkt in Tonfall und Auswahl der Stimmen klar positioniert.
Angesichts dieser öffentlichen Unterstützung, die ich persönlich als einen möglichen Versuch der Einschüchterung Andersmeinender wahrnehme, erscheint es wenig wahrscheinlich, dass der Gemeinderat sich noch substanziell anders äußern wird.
Dass es eine Gegenpetition in zweifacher Ausfertigung gibt, findet in der genannten Darstellung keine erkennbare Berücksichtigung. Einmal wurde das Anliegen vom Petenten elektronisch direkt an die drei Bürgermeister und den Gemeinderat mit Eingangsbestätigung gerichtet und zweitens online mit inzwischen 530 Unterstützerunterschriften. Dieses Verschweigen kann bei Teilen der Stadtgesellschaft den Eindruck erwecken, abweichende Meinungen würden nicht mit gleicher Sichtbarkeit behandelt. Eine solche kommunikative Einseitigkeit kann – unabhängig von der Sache selbst – als Druck auf Andersdenkende empfunden werden, sowohl in der Bürgerschaft als auch im politischen Raum.
Die Presse ist in Deutschland rechtlich unabhängig. Theoretisch jedenfalls. Gleichwohl entsteht hier der Eindruck, dass die Vielfalt der öffentlichen Positionen nicht vollständig und in adäquater Quantität und Qualität abgebildet wird. Wenn Willensbekundungen aus der Bevölkerung – wie die erwähnte Petition oder zahlreiche Beiträge in sozialen Netzwerken – kaum sichtbar oder lediglich am Rande erwähnt werden, kann dies als Missachtung bürgerschaftlicher Anliegen wahrgenommen werden.
Dass politische und sportliche Akteure gemeinsam auftreten, ist legitim; die Frage ist jedoch, ob die öffentliche Kommunikation den demokratischen Anspruch auf ausgewogene Darstellung erfüllt.
Und in genau diese Kerbe schlägt die Partei, die sich seit 13 Jahren als die Alternative zur herrschenden Politik von Berlin bis Stuttgart und bis in die Kommunen präsentiert und dem von ihr missachteten Bürger anbietet. „Wir hören euch“, sagte Alice Weidel auf dem gerade stattfindenden AfD-Parteitag in Erfurt, wobei ganz klar das „die anderen hören euch nicht“ impliziert war.
Mit anderen Worten: Das Verhalten der Ravensburger Polit- und Sportprominenz in Sachen „Oberschwabenhalle“ könnte genau das bewirken, was eigentlich verhindert werden soll.
Unter der Prämisse, dass auch Halbwahrheiten eine oder gar zwei Lügen sein können (Hermann Hesse: "Wer die Halbwahrheit erzählt, der hat zweimal gelogen."), können das Ravensburger Verhalten aus dem Rathaus (das nach außen hin nur auf wenige Stimmen zu hören scheint) und die Ravensburger Redaktion der SZ (deren Darstellung viele als einseitig empfinden) unbeabsichtigt Narrative bedienen, wie sie etwa auf dem AfD-Parteitag (siehe Weidel) oder in Begriffen wie „Lügenpresse“ propagiert werden.
Seit Beginn der Amtszeit von Oberbürgermeister Rapp im Jahr 2010 und der seither häufig als hofberichterstattend kritisierten Linie der Schwäbischen Zeitung hat sich bei vielen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck verfestigt, dass zentrale Entscheidungen der Stadtpolitik stark von einzelnen Akteuren geprägt werden, während die Beteiligung der Bevölkerung an Einfluss verliert. Dies führt zur Wahrnehmung, Ravensburg entwickle sich zu einer „Burg ohne Bürger“, in der individuelle Projekte bevorzugt und Bürgerinteressen nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Sollte das Projekt trotz deutlicher öffentlicher Vorbehalte dennoch umgesetzt werden, könnte dies die Legitimation des Vorhabens und das Vertrauen in die kommunale Entscheidungsfindung nachhaltig beeinträchtigen. Und es entsteht der Eindruck, dass zwar Lebensträume Einzelner erfüllt werden, aber die Meinung der Bürger/innen mit Füßen getreten wird.
Es ist schwer zu hoffen, dass der erwähnte Zeitungsartikel online nicht auch noch in der Printausgabe der SZ erscheint, respektive er so überarbeitet wird, dass oben erwähnter Eindruck vieler Bürger erst gar nicht entsteht.
