🔴🔴🔴 Aktualisiert: OB-Wahl Ravensburg: Politik verspricht, Presse applaudiert, Populus feixt - Wenn demokratisch aufgestellte Kandidaten als unmündige Bürger gekennzeichnet werden ...
Wer zuletzt lacht, lacht am besten!
Ravensburger Bürgervotum
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Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Vorbemerkung: Im am 14. Februar 2026 erschienenen offiziellen Amtsblatt der Stadt Ravensburg, die (die Stadt) von dem amtierenden Oberbürgermeister gegenüber allen Bürgern und Bürgerinnen repräsentiert wird, ist die Abschlussseite mit einer großen Wahlwerbeanzeige zur Hälfte geblockt. Dort kann man/frau groß und plakativ abgebildet den derzeitigen Oberbürgermeister Dr. Daniel Rapp sehen - flankiert links mit der Bitte, ihm am Wahltag das Vertrauen zu schenken und rechts mit seinen Wahlveranstaltungen - wieder als "Bürgergespräche" (9x) getarnt.
Schließlich - so verrät es der Text - habe er Erfahrung, Verlässlichkeit, Leidenschaft und ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen. Diese Passage enthält mindestens - nach meiner persönlichen Erfahrung und der auch anderer Bürger/innen - zwei Punkte, welche die Wahrheit verfehlen.
- Lesen Sie dazu bitte:
- OB-Wahl: VORSICHT❗ - Ganz, ganz dünnes Eis / Das "Amtsblatt" als Wahlbroschüre in meinem Briefkasten ...
14. Feb. 2026
"Ravensburg ist heute lebenswerter, moderner und zukunftsfähiger denn je", heißt es dort auch noch. Das sehen und erleben viele Bürgerinnen und Bürger aber ganz anders.
In Summa ist das meiner Meinung nach der Missbrauch eines Amtsblattes (!!) für Eigeninteressen. Völlig inakzeptabel.
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Stefan Weinert, Blogger mit Aussicht
Genau das ist es, was ich erst vor wenigen Stunden als Blogger an anderer Stelle geschrieben hatte. Das hiesige (Ravensburg), immer kleiner werdendes Provinzblatt, die große "Schwäbische Zeitung", zettelt einen dreckigen Oberbürgermeisterwahlkampf an und der OB-Amtsinhaber Dr. Rapp lässt sich scheinbar dazu provozieren, sein Pulver inmitten eines extrem alkoholgeschwängerten Wahlvolkes und an einem Wochenende des Rausches (und vergessenen Gedenkens) zu verschießen.
Fast auf den Tag genau - am 10. Februar 2024 - vor zwei Jahren, kam es am damaligen Fasnetswochenende in der Ravensburger Brühlstraße, begünstigt auch dadurch, weil die Stadtverwaltung dort die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet gelassen hatte, in den frühen Morgenstunden zu einem tödlichen Unfall. Dieser Angelegenheit ist die Zeitung nie nachgegangen - im Gegenteil, sie hat sie im Dunklen gelassen.
Und es gibt Tage in Ravensburg - und sie häufen sich zunehmend in beängstigender und populistischer (und manche sagen, in rechtsgerichteter) Weise -, an denen man/frau die hiesige Lokalzeitung "aufschlägt" und bestätigt bekommt, dass etwas nicht stimmt, schon lange nicht stimmt. Nicht nur ein Detail, nicht nur eine Formulierung, nicht nur ein Bild.
Sondern etwas Grundsätzliches. Etwas, das sich wie ein Schlag in die Magengruben von aufrichtigen Journalisten, Klimaaktivisten, Demokraten und politischen Herausforderern anfühlt.
Der heutige Tag ist wieder einmal ein solcher. Denn was die „Schwäbische Zeitung“ im Rahmen des Ravensburger Oberbürgermeisterwahlkampfs online und im Printformat veröffentlicht hat, ist nicht nur geschmacklos. Es ist nicht nur unprofessionell. Es ist nicht nur ein Ausrutscher.
Es ist ein publizistischer Offenbarungseid, der zeigt, wie weit sich ein Medium von seiner demokratischen Verantwortung entfernen kann, wenn es glaubt, niemand werde es zur Rechenschaft ziehen.
Die Karikatur, die heute online und morgen in der Printausgabe erscheint und eindeutig im Kontext des Berichtes über die Vorhaben des OB-Inhabers für die kommenden acht Jahre steht*) und jener der vergangenen Tage zum OB-Wahlkampf in Ravensburg, ist ein solcher Wendepunkt. Nicht, weil sie witzig wäre, besonders witzig. Nicht, weil sie originell wäre, besonders originell. Sondern weil sie eine Grenze überschreitet, die in einer angeblich demokratischen Stadt mit einem angeblichen Wir-Gefühl niemals überschritten werden darf.
Und sie erinnert an "damals", als Mitglieder der Gesellschaft durch Brandmarkung wie bei Tieren oder Kennzeichnung auf der Kleidung (Winkel), entmündigt wurden. Es sei hier erwähnt, dass der Begriff "Charakter" in der römischen Welt der Antike das "Brandzeichen" für Tiere und deren Besitzer meinte. Konkret ausgeführte Herkunft und Bedeutung:
Das mittelhochdeutsch karacter aus dem 13. Jahrhundert stammt von dem lateinischen c(h)aractēr → = „eingebranntes Zeichen, Gepräge, Eigenart“, das auf griechisch χαρακτήρ (charaktēr) → = „Werkzeug zum Gravieren, Gravierer; Stempel, Siegel; Zeichen, Buchstabe, Gepräge, Eigenart“ zurückgeht. Die heutige Bedeutung ist „Haupteigenschaft, Wesen“ einer Person
*) Im Teaser dieses Artikels heißt es: "Wenn er (der Amtsinhaber) sich auch mit drei Gegenkandidaten auseinandersetzen muss – Ravensburgs jetziger Oberbürgermeister hat schon einen genauen Plan, was in den kommenden acht Jahren passieren soll." - Kein Wort oder Zeile darüber, dass dies "im Falle seiner Wiederwahl" passieren soll. Die nämlich wird implizit vorausgesetzt. Und der Amtsinhaber muss sich mit den Gegenkandidaten "auseinandersetzen". Klingt in meinen Ohren wie "mit lästigen Fliegen herumschlagen." ("Schwäbische Zeitung" vom 13./14.2.2026)
Die Karikatur soll eigentlich als Waffe dienen, um zu überzeichnen, was gemeint ist, nicht aber um andere zu diskriminieren. Das aber ist heute in Ravensburg geschehen. Dass sich der Zeichner als freier Mitarbeiter dieses Medium dafür hergibt, sagt mehr über ihn und die Redaktion aus, als über die Gebrandmarkten.Karikaturen dürfen wehtun. Sie dürfen überzeichnen. Sie dürfen provozieren.
Aber sie dürfen niemals entwürdigen. Und sie dürfen niemals einseitig in einen Wahlkampf eingreifen.
Genau das ist aber geschehen.
Die drei Herausforderer des Amtsinhabers werden in der Zeichnung als Witzfiguren und Kinder (da klein gezeichnet - und das nicht nur wegen der zeichnerischen Perspektive) dargestellt:
– der eine, Samuel Bosch, klein und auf einem Baum wie ein orientierungsloser ungehorsamer Bengel sitzend, der dem Herausforderer etwas auf den Kopf wirft (ist er also doch militant, ist er also doch ein Öko-Terrorist?)
– der eine, Umut Bulut, mit einem Dönerspieß harmlos drohend, als "Türke" und "fremd" klar herausgehoben, welcher nur am Hunger anderer verdienen will und nichts anderes vorzuweisen hat.
- der eine, Roman Urban, als Druide, explizit und unausweichlich als Comicfigur gezeichnet (über die man/frau nur noch lachen kann) und nicht als ernst zunehmender Gegenspieler des Amtierenden. Ein Mann allerdings, der an mehreren deutschen Universitäten erfolgreich studiert hat.
Der Amtierende allerdings hingegen wird als gehetzter, bedrängter Mann im Anzug (!) inszeniert - doppelt bis dreifach so groß wie seine lächerlich gemachten Kontrahenten – ein Opfer des Juxes und der Militanz anderer.
Das ist kein Zufall. Das ist kein Humor. Auch kein überzeichneter Humor. Das ist Framing. Das ist Manipulation. Das ist Wahlkampfhilfe im Tarnanzug der Satire. Das ist Vorverurteilung.
In diesem speziellen Fall ist sie respektlos gegenüber der aus der Krawatten-Norm Fallenden, die ein Recht auf ihre Philosophie, ihren Glauben, ihren Beruf, ihre Herkunft und ihre Visionen haben. Und eine Zeitung, die so etwas abdruckt, hat ihre Rolle als unabhängige Beobachterin verloren. Längst verloren.
Und da tauchen, wie acht Delphine aus dem Wasser, acht neue Versprechen des amtierenden OBs auf – während die vielen alten, die nie eingelöst wurden, tot am Fläpplegrund liegen.Das ist fast noch zynischer als die Karikatur.
Wer die letzten acht Jahre in Ravensburg aufmerksam verfolgt hat, weiß: Versprechen waren nie das Problem. Die Einlösung dieser Versprechen war es.
Der „Schussenpark“ ist dafür ein Paradebeispiel politischer Schrumpfkunst. Was einst als visionäres städtebauliches Klima-Projekt angekündigt wurde, als grüner Erholungs-Raum für Bürger, Bürgerinnen und Kinder, der die Stadt aufwerten sollte, ist heute ein schmaler Grünstreifen, durchzogen vom gleichen Verkehr wie zuvor. Die Bürgerinnen und Bürger bekamen nicht den Park, der ihnen versprochen wurde. Sie bekamen eine Alibi-Maßnahme, die man/frau nur mit viel gutem Willen als Fortschritt bezeichnen kann.Das Klimaversprechen des OB von 2020 ist ein eklatant gebrochenes Wort. 2020 wurde ein ambitioniertes Ziel verkündet: 13 Prozent CO₂-Reduktion pro Jahr - umgerechnet auf die angestrebte Klimaneutralität der Turmstadt. Ein Ziel, das nicht nur verfehlt, sondern komplett ignoriert und mit Mistelzweig-Argumenten erklärt worden. Die Realität zeigt:
– es gibt keine strukturellen Maßnahmen,
– keine konsequenten Umsetzungen,
– keine erkennbare in die Praxis umgesetzte Prioritätensetzung.
Wer solche Versprechen bricht, sollte sich erklären müssen. Doch die Zeitung stellt keine entsprechenden Fragen. Sie druckt lediglich neue Versprechen ab, als wären die alten nie gemacht und gebrochen worden.
Weitere in den zurückliegen acht Jahren angekündigte Projekte bestätigen das Muster der Unverbindlichkeit. Ob Verkehr, Stadtentwicklung, Bürgerbeteiligung oder soziale Infrastruktur: Viele Projekte wurden angekündigt, wenige umgesetzt, manche nie begonnen. Verbalismus!Und wieder: Keine kritische Einordnung. Keine journalistische Analyse. Keine Gegenüberstellung von Anspruch und Wirklichkeit.
Stattdessen ein neuer Acht-Punkte-Plan, der wie eine Wiederholung der letzten Wahlkämpfe wirkt – nur ohne die Erinnerung an das, was nicht erfüllt wurde.
Eine Zeitung hat Rechte. Sie darf kommentieren, kritisieren, zuspitzen. Aber sie hat auch Pflichten. Die wichtigste: Sie muss zwischen Berichterstattung und Meinung unterscheiden.
Was die „Schwäbische Zeitung“ in diesem Wahlkampf tut, ist eine gefährliche Vermischung beider Ebenen.
Das ist - wie schon oben gesagt - kein Zufall. Das ist ein Muster.
In den vergangenen Jahren zeigte sich immer wieder, dass kritische Stimmen in Ravensburg es schwer haben, Gehör zu finden und vor allem die Umsetzung ihrer guten Vorschläge vermissen. Bürgerinitiativen, engagierte Gruppen, kritische Beobachter, kritische Bürger – erleben eine Tendenz zur Verharmlosung, zur Glättung, zur Harmonisierung.
Die Zeitung präsentiert sich gern als Stimme der Region. Doch eine Stimme, die nur in eine Richtung spricht, ist keine Stimme der Region. Sie ist ein Verstärker der Macht.
Journalismus lebt von Distanz. Von der Fähigkeit, auch denjenigen kritisch zu begleiten, die seit Jahren im Amt sind. Von der Bereitschaft, unbequeme Fragen zu stellen. Von der Verpflichtung, alle Kandidierenden gleich zu behandeln. Und gerade das geschieht nicht.
Wenn eine Zeitung, wie das heimische Blatt, diese Distanz verliert, verliert sie ihre Glaubwürdigkeit. Und wenn sie ihre Glaubwürdigkeit verliert, verliert die Öffentlichkeit ein wichtiges Korrektiv.
Eine Wahl ist kein Wettbewerb der Karikaturen. Geschrieben als Satire oder dargestellt als überzeichnetes Bild. Sie ist ein Wettbewerb der Ideen, der Konzepte, der Visionen. Auch der Blogger veröffentlicht gerne Satiren und Karikaturen. Aber er vertritt keine Zeitung als vierte Macht im Staat, sondern er vertritt nur einen persönlichen Blog, weswegen er auch persönlich werden darf. Will sich die Zeitung wirklich auf dieses "Niveau" herablassen.
Wenn eine Zeitung diesen Wahlkampf verzerrt, indem sie Kandidaten verspottet und andere schützt, entsteht ein Ungleichgewicht, das weit über den Wahlkampf hinausreicht.
Doch wer entscheidet das? Die Wählerinnen und Wähler – oder die Redaktion einer Provinzbeilage mit drei Seiten?
Die Zeichnung sagt: „Wer gegen den Amtsinhaber antritt, wird lächerlich gemacht.“
Die Zeichnung arbeitet mit drei Mechanismen:
Infantilisierung – Die Herausforderer werden wie Kinder dargestellt, die etwas darstellen und tun, das mit ernst zunehmender Politik und Herausforderung nichts zu tun hat.
Exotisierung – Der Dönerspieß, der Druide, der Baum: Symbole, die Distanz schaffen und Fremdheit erzeugen.
Opferinszenierung – Der Amtsinhaber wird als bedrängter Mann dargestellt, der sich gegen Angriffe wehren muss und auf der Flucht ist.
Diese Mechanismen sind nicht zufällig. Sie sind Teil einer Bildsprache, die darauf abzielt, Wahrnehmungen zu formen.
Bilder wirken schneller als Worte. Sie prägen sich ein. Sie erzeugen Emotionen. Sie beeinflussen Entscheidungen.
Eine Zeitung, die solche Bilder einsetzt, trägt Verantwortung. Und sie muss sich fragen lassen, ob sie dieser Verantwortung gerecht wird. Das ist nicht nur respektlos. Es ist demokratiegefährdend und wie schon gesagt: diskriminierend. Denn es schreckt Menschen ab, sich in Zukunft politisch zu engagieren.
Die Karikatur ist nicht einfach nur geschmacklos. Sie ist ein Beispiel dafür, wie subtil – und gleichzeitig brutal – Herabsetzung funktionieren kann. Im Deckmantel des Humors an einem Wochenende, wo sowieso jeder und jede sich outet: als Narr!
Ravensburg ist eine Stadt, die von Vielfalt lebt. Von unterschiedlichen Meinungen. Von kritischen Stimmen. Von engagierten Bürgerinnen und Bürgern. So jedenfalls die Theorie.
Eine Zeitung, die diese Vielfalt nicht abbildet, sondern verzerrt, schadet der Stadt.
Medien haben Macht. Sie können Themen setzen, Stimmungen erzeugen, Wahrnehmungen formen. Diese Macht ist legitim – solange sie verantwortungsvoll eingesetzt wird.
Doch wenn eine Zeitung ihre Macht nutzt, um einseitig in einen Wahlkampf einzugreifen, dann stellt sich eine Frage, die man nicht ignorieren darf: Wer kontrolliert die Kontrolleure?
In Ravensburg gibt es offiziell keine Alternativen zur „Schwäbischen Zeitung“. Das macht ihre Verantwortung umso größer. Und ihr Versagen ist umso schwerer. Es wird höchste Zeit für eine zur Verfügung stehende mediale Option.
Dieser Moment darf nicht unkommentiert bleiben. Nicht nur aus berechtigter Empörung. Und schon gar nicht aus Trotz. Sondern aus Verantwortung. Schweigen ist hier keine Option. Und vor allem: bitte nicht mit gleicher Münze zurückzahlen. Cool bleiben, nicht verbiegen lassen.
Was nötig wäre:– Eine klare Trennung von Meinung und Berichterstattung.
– Eine faire Darstellung aller Kandidierenden.
– Eine kritische Einordnung politischer Versprechen.
– Eine transparente Haltung gegenüber der eigenen Macht.
– Eine Entschuldigung für die entwürdigende Karikatur.
Was nicht nötig ist sind:– Herabsetzung. – Verzerrung. – Wahlkampfhilfe. – Framing. – Schweigen.
Die „Schwäbische Zeitung“ hat in diesem Wahlkampf längst eine Grenze überschritten. Es ist Zeit, das klar zu benennen. Nicht aus Wut. Nicht aus Bitterkeit. Sondern aus Verantwortung für die demokratische Kultur dieser Stadt.
Doch Ravensburg ist nicht nur die Presse, die Amtsspitze, die Wirtschaft, die alt eingesessenen Familien, die graue Eminenz, die, die dem Amtsinhaber zujubeln, weil er ihre Felle vor dem Wegschwimmen bewahrt und für ihre Pfründe garantiert.
Ravensburg, das sind wir, die arbeitende Klasse, die kleinen Rentner, die Klimakämpfer, die "Fridays for ...", die Schüler der höheren Klassen, die Studenten, die Pflegebedürftigen, die kleineren Handwerksbetriebe, die Arbeitslosen, diejenigen, die Tag für Tag die "Tafel" aufsuchen müssen, die Generation "Z" und die vergessenen Alten.
Am 8. März 2026 ist die nächste Weichenstellung am "Bahnhof der demokratischen Möglichkeiten" - auch in Ravensburg