👎 Statt "grünes Rückgrat quer durch die Altstadt", ein kümmerliches und gepflastertes Ergebnis ... Deshalb: Einweihung des "Holzmarkts" absagen ...

Temperaturen bei starkem Sonnenschein in der "Ravensburger Innenstadt" am Samstag, 27. Juni 2026 (Siebenschläfer, Stadtlauf, Einweihung Holzmarkt) - Quelle: https://www.wetter.com/wetter_aktuell/wettervorhersage/7_tagesvorhersage/deutschland/ravensburg/ravensburg-innenstadt/DE0008655026.html
Am kommenden Samstag möchte der neu vereidigte Oberbürgermeister der Stadt Ravensburg, Dr. Daniel Rapp, um die Mittagszeit den für ein besseres Klima umgestalteten Holzmarkt einweihen. Kostenpunkt: 1.750.000 Euro! Der Holzmarkt wird zu diesem Zeitpunkt nicht im Schatten der "Vetter-Apotheke" liegen und auch der kurze Schatten der alten Buche wird ihn nicht abkühlen. Die Wirklichkeit beschreibt die Stadt auf ihrer Website selbst:
"Mit Baumhain, offenen Baumbeeten, versickerungsfähigen Fugen im Pflasterbelag und neuer Regenwasserspeicherung soll der Holzmarkt künftig Hitze und die Folgen von Starkregen mindern. Zugleich entsteht ein neuer attraktiver Treffpunkt für die Bürger und die Besucher der Altstadt."
Statt eines klimaabfedernden Rasens gibt es Pflastersteine - und zehn neu gepflanzte Bäume als "Hain" zu bezeichnen, ist ein schlechter Scherz. An anderer Stelle heißt es, dass ein solch gestalteter Platz (unter ihm liegen zwei installierte "Schwämme") die Temperaturen um 4 bis 9 Grad absenken könne (SZ vom 3.5.2026) - auch in Ravensburg.
Die Realität aber wird eine andere sein. Es wird heiß - auch auf dem Holzmarkt. Sehr heiß. Teile des Stadtlaufes wurden deshalb schon abgesagt und vielleicht fällt er ganz aus.
Die Stadt Ravensburg sollte auch dieses Einweihungsfest des Holzmarktes absagen. Nicht nur, weil eventuelle Teilnehmer aufgrund der hohen Temperaturen leiden werden und zu schaden kommen könnten, sondern weil es zwischen südlichem Marienplatz und Holzmarkt keinen signifikanten Temperaturunterschied geben wird. Da bin ich mir sicher.
Und ob die zehn Bäume und die Buche tatsächlich Wasser von unten bekommen, ist aufgrund der lang anhaltenden Wetterlage fraglich. Vermutlich müssen sie vom Bauhof begossen werden. Diese Peinlichkeit sollte sich die Stadt ersparen.
Und es ist "Siebenschläfer" was heißt, die kommenden zwei bis drei Wochen werden so bleiben. Das jedenfalls sagt der Volksmund. Was dies für die Schwämme und den "Hain" bedeutet, wird wohl jede Planung über den Haufen werfen.
Mit dem Budget von 1,75 Millionen Euro hätte Ravensburg nicht nur zehn Bäume in Pflasterinseln und zwei Wasserbecken unter dem Holzmarkt finanzieren können, sondern einen echten Stadtpark. Für den mittleren Fachfirmenpreis von rund 600 Euro pro halbausgewachsenem Baum wären etwa 3.000 klimaresiliente Mischwaldbäume möglich gewesen – kräftige Exemplare, die sofort Schatten spenden. Jeder dieser Bäume benötigt rund 40 Quadratmeter Grünraum, insgesamt also 120.000 Quadratmeter. Selbst wenn man die notwendigen Kosten für Entsiegelung und die Anlage einer zusammenhängenden Rasen‑ und Parkfläche berücksichtigt, hätte die Stadt mit dem gleichen Budget zumindest mehrere Hektar echten Stadtpark schaffen können – ein grünes Band vom mittleren Marienplatz (Lederhaus) bis zum Frauentorplatz, das die Innenstadt spürbar kühlen und beleben würde. Stattdessen hat Ravensburg für denselben Betrag einen steinernen „Schwammplatz“ erhalten, der mehr verspricht, als er klimatisch hält.
Ich erinnere nur daran, dass Daniel Rapp und Dirk Bastin im Herbst 2022 öffentlich versprachen (SZ vom 27.10.2022), den nördlichen Marienplatz großflächig zu entsiegeln und dort „sehr großzügig ausladende, Schatten spendende Bäume“ zu pflanzen – genau dort, wo heute Pflaster und Hitze dominieren. Damals klang es nach Aufbruch: Wasser „an die Oberfläche holen“, Fontänenfelder, neue Treffpunkte, ein grünes Rückgrat quer durch die Altstadt. Zwei große Wasserstellen, ein Baumhain beim Café Firenze, ein zweites Wasserspiel vor der Tourist‑Info – so stand es in der Schwäbischen Zeitung. Und was ist daraus geworden? Schall und Rauch. Kein Baumhain, kein grünes Band, kein kühlender Platz. Stattdessen ein steinerner Holzmarkt mit zwei Wasserbecken unter der Oberfläche. Typisch Ravensburg: große Visionen im Prospekt, kleine Wirklichkeit im Pflaster.
